Offiziell hatte der Tiroler in der Signa-Gruppe schon seit 2013 bei wichtigen Entscheidungen nichts mehr zu sagen, er war „nur“ Berater. Der damalige Rückzug – zumindest auf dem Papier – erfolgte infolge einer strafrechtlichen Verurteilung wegen versuchter verbotener Intervention. Fraglich ist, ob das so war. Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft ermittelt bekanntlich.

Tief in operative Entscheidungen eingebunden?

Neue Ermittlungsunterlagen der Soko Signa zeichnen laut Kronenzeitung nun aber ein völlig anderes Bild. Der 49-Jährige soll bis kurz vor dem Zusammenbruch seines Imperiums Ende 2023 in operative Entscheidungen tief eingebunden gewesen sein. Die E-Mails sprechen für sich: Benko soll Verträge kontrolliert, Präsentationen freigegeben und Geschäftsführer zurechtgewiesen haben – teils in äußerst scharfem Ton. Es gilt die Unschuldsvermutung.

„So eine Scheise“

Die Auszüge zeigen, wie scharf Benko selbst mit höchsten Signa-Managern umgesprungen sein soll. In einem Mailwechsel mit Signa-Holding-CEO Markus Mühlberger soll Benko explodiert sein. Anlass war eine Präsentation für Versicherungen, für die Mühlberger um Feedback gebeten hatte. Benko machte den Geschäftsführer laut Ermittlungsunterlagen nieder: „So eine Scheise (sic!) habe ich schon lange nicht mehr gehört.” Die geplanten Aussagen in der Präsentation seien ein „Schuss ins Knie”. Besonders heftig fiel dabei eine weitere Passage aus: „Ich krieg einen Herpesausschlag, wenn ich das lese…“

Klare Anweisungen?

Brisant: Benko soll in den Nachrichten klare Anweisungen gegeben haben. Unterlagen dürften nicht verschickt werden, ohne dass er sie vorher gesehen habe. „Ja keine Unterlagen und Präsentationen jetzt im Nachgang verschicken – die ich nicht vorher gesehen habe !!!!” Als Mühlberger meinte, dass es sich um einen Entwurf handle, soll Benko endgültig die Beherrschung verloren haben. „Den Text alleine so zu schreiben ist geisteskrank und zeigt von Deiner Unfähigkeit (…) Ich will die Präsentationen, die die Herren gehalten haben, sowie die Teilnehmerliste. Ich krieg Brechreiz”, wird aus den Akten zitiert.

20 Seiten starke Auswertung

Sind das mögliche Hinweise auf eine faktische Geschäftsführung? Darauf zielt die mittlerweile 20 Seiten starke Auswertung ab, die vergangene Woche an die WKStA übermittelt wurde. Doch damit nicht genug. Auch in anderen Fällen soll Benko massiv eingegriffen haben. In einem weiteren Mail an einen deutschen Geschäftspartner machte er klar, wer aus seiner Sicht das Sagen hatte: „Ich beteilige mich nicht an einer Firma als Mehrheitsgesellschafter und stelle das gesamte Geld zur Verfügung” – bei Investments über einer Million Euro wolle er „mitreden – egal, woher die Kohle kommt”.

Verteidiger: „Hat lediglich beratend agiert“

Benko hatte allerdings offiziell gar keine Funktion innerhalb der Signa-Gruppe mehr inne. Seine Verteidigung argumentiert seit Monaten, der Tiroler habe lediglich beratend agiert. Besonders spannend dürfte nun auch die Rolle der Benko-Stiftungen werden. Zwei österreichische Familienstiftungen sind bereits insolvent. Im Fokus steht nun vor allem die Ingbe-Stiftung in Liechtenstein – sie gilt als letzter großer Vermögensbunker der Familie Benko. Dort sollen derzeit rund 50 Millionen Euro eingefroren sein. Der Innsbrucker Masseverwalter versucht weiter, Zugriff darauf zu bekommen.

Mutter im Fokus

Ein Mail aus Oktober 2023 könnte für Benko nun besonders unangenehm werden. Damals schickte eine Steuerberaterin einen Stiftungsvorstandsbeschluss zur Gegenzeichnung an den Beirat – also an Benkos Mutter. Die Antwort des Signa-Gründers fiel kurz, aber eindeutig aus: „Bevor Mama unterschreibt, schau ich das noch an.”