Der Grünen-Chef Felix Banaszak sagte kürzlich im Welt-Interview: „Statistisch ist es für Frauen nachteilig, in einer heterosexuellen Beziehung zu sein: Sie schlafen schlechter, verdienen weniger, sind im Alter schlechter abgesichert, leben kürzer und sind weniger zufrieden.“ Dann sprach er noch über die „Befreiung der Männer aus dem Patriarchat“.

Der Kriminalbeamten-Chef Dirk Peglow sagte im ZDF – es ging um die gestiegene Zahl von Vergewaltigungen: „Wenn man nach der statistischen Anzahl geht, besser keine Beziehung mit einem Mann eingehen. Da ist das Risiko erheblich höher, Opfer von psychischer oder physischer Gewalt zu werden.“

Ein letztes Beispiel: Christoph May, der in öffentlich-rechtlichen Formaten als „Männlichkeitsforscher“ bezeichnet wird und einen Blog mit dem Namen „Institut für kritische Männerforschung“ betreibt, spricht bei „NDR Kultur“ von „Männlichkeit in die Tonne kloppen“ oder „Männlichkeit muss insgesamt verdächtigt werden“. May kommt zu dem Schluss: Männlichkeit muss abgeschafft werden.

„Was ist denn das für ein Schwachsinn?“

Doch sind Männer wirklich so schlecht wie ihr Ruf? Und ist die um sich greifende, verallgemeinernde Diffamierung von Männlichkeit gut für die Gesellschaft? Darüber sprach NIUS mit dem Wiener Psychiater, Neurologen, Psychotherapeuten und Bestseller-Autor Raphael M. Bonelli.

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NIUS: „Herr Bonelli, muss Männlichkeit abgeschafft werden?“

Bonelli: „Wir können Männlichkeit gar nicht abschaffen. Das geht gar nicht, weil die Hälfte der Menschen männlich ist und die andere Hälfte weiblich, und das ist auch gut so. Es ist total beglückend, miteinander männlich und weiblich zu sein, aber diese starke Feindseligkeit, die zwischen den Geschlechtern herrscht, und dieses Misstrauen, das seit vielen Jahrzehnten besteht, ist in letzter Zeit noch pointierter geworden. Meistens wird ein Geschlecht als das gute hervorgehoben und das andere ist das schlechte. Das stimmt natürlich nicht. Es gibt kein gutes Geschlecht und kein schlechtes Geschlecht. Es gibt ganz böse Männer, zweifellos, aber es gibt auch gute Männer und es gibt auch böse Frauen. Das zu sagen, ist vielleicht ein Tabu, aber das muss auch mal gesagt werden.

Es gibt sehr viele Männer, die sehr viel aus sich gemacht haben, auch charakterlich. Deswegen ist es eine dumme Pauschalierung, zu sagen, man soll mit einem Mann keine Beziehung eingehen. Was ist denn das für ein Schwachsinn? Die Alternative dazu habe ich hier auf der Couch sitzen. In meine Praxis kommen ganz viele Frauen, die keinen Mann haben, eben weil es beglückend ist, mit einem Mann. Es ist ja nicht so, dass alle bemannten Frauen unglücklich sind, sondern die meisten Frauen wollen einen Mann, einen guten Mann. Das ist auch gut, dass sie einen guten Mann wollen. Deswegen sollen sie auch klug wählen (…).“

„Einer der größten Denkfehler dreht sich rund ums Geschlecht“

Bonelli: „Wir machen heutzutage sehr viele Denkfehler oder haben auch richtige Denkstörungen. Einer der größten Denkfehler dreht sich rund ums Geschlecht. Einerseits sind Männer die Bösen und Männer müssen überall rausgekickt werden. Es muss Frauenquoten geben und Frauen müssen überall in die Führungsebene. Andererseits sagen dieselben Leute gleichzeitig: Männlichkeit und Weiblichkeit gibt’s gar nicht. Das sind nur sozial erfundene Kategorien und so weiter.

Dann gibt’s noch die dritte Ebene. Die sagt, es gibt zwar Geschlechter, aber man kann wählen. Einmal im Jahr kann man sich ein anderes Geschlecht aussuchen. Wenn man all diese Dinge miteinander verknüpft, kennt man sich gar nicht mehr aus, weil sie in sich nicht mehr zusammenpassen und weil sie unlogisch sind. Lange Rede, kurzer Sinn: Natürlich gibt’s Männlichkeit und Weiblichkeit. Natürlich gibt’s diese Begriffe. Die sind auch schon Jahrtausende alt.“

„Ich rede von beratungsresistenter Männlichkeit und beratungsresistenter Weiblichkeit“

NIUS: „Was macht gesunde Männlichkeit aus? Gibt es ein positives Konzept von Männlichkeit?“

Bonelli: „Zu einem positiven Konzept von Männlichkeit gehört, dass sich der Mann von der Frau auch coachen lässt – und gleichzeitig die Frau coacht. Ich rede von beratungsresistenter Männlichkeit und beratungsresistenter Weiblichkeit. Das wäre heutzutage toxische Männlichkeit. Ein toxischer Mann ist einer, der nicht auf die Frau hört, der nicht auf die Frau schaut, sondern sein Ding macht und über sie drüberfährt und sogar seine körperliche Kraft anwendet, um ja zu seinen Zielen zu kommen. Das Bild dafür ist Vergewaltigung. (…)

Eine positive Männlichkeit ist immer eine, die auf das Andere hört. Ich vergleiche Geschlechter mit Augen. Wenn Sie bloß ein Auge haben, können Sie nicht dreidimensional sehen. Wenn Sie zwei Augen haben, dann rechnet das Gehirn aus diesen zwei Blickwinkeln heraus, wie der Raum aufgebaut ist. Erst dann können Sie einen Ball fangen. Das ist total faszinierend. Genauso ist das zum Beispiel in der Erziehung. Vater und Mutter nehmen verschiedene Dinge wahr, und wenn sie eine Einheit haben, ihre Erfahrungen und Eindrücke zusammenbringen und miteinander vergleichen, dann sind sie beide schlauer. Das heißt, ein Mann ist gut beraten, wenn er auf seine Frau hört, und eine Frau ist gut beraten, wenn sie auf den Mann hört.

Man sollte einander auf Augenhöhe begegnen und aufeinander hören, weil man weiß, dass man selbst seinen blinden Fleck hat. Ein Mann, der das übersieht, ist ein toxischer Geselle. Aber eine Frau, die das übersieht, ist auch toxisch. Das darf man nie vergessen. Ich bleibe dabei, das ist symmetrisch.“

Dieser Beitrag ist ursprünglich auf unserem Partner-Portal NiUS erschienen.