Schwere Vorwürfe sind am Donnerstag am Wiener Landesgericht gegen einen 37-jährigen Mann verhandelt worden. Die Staatsanwältin warf ihm vor, wiederholt seinen eigenen Sohn sexuell missbraucht zu haben. Zum Zeitpunkt der inkriminierten Übergriffe war der Bub sechs bis zehn Jahre alt. Auch an einem Neffen soll der Angeklagte geschlechtliche Handlungen vorgenommen haben, als dieser noch zur Volksschule ging. Seine unmündige Nichte soll er mehrfach im Intimbereich berührt haben.
Während der Angeklagte und sein Verteidiger Daniel Strauss die Anschuldigungen als an den Haaren herbeigezogen zurückwiesen, sprach die Staatsanwältin eingangs der Verhandlung von “detaillierten und glaubwürdigen Schilderungen” der drei Kinder. Die Verantwortung des 37-Jährigen nannte sie dagegen “bloße Schutzbehauptungen”.
Laut Anklage soll es von 2019 bis April 2023 mehrfach zu Oralverkehr mit dem Sohn und weiteren Handlungen gekommen sein, die den Tatbestand des schweren sexuellen Missbrauchs von Unmündigen erfüllen. In Bezug auf den Neffen sind Übergriffe zwischen 2020 und 2021 inkriminiert. Teilweise soll der Vater bzw. Onkel mit beiden Buben gemeinsam sexuelle Handlungen vorgenommen haben.
"Das stimmt alles nicht"
”Das stimmt alles nicht. Um Gottes Willen nein. Ich hab sie nie sexuell angefasst”, versicherte der bisher Unbescholtene einem Schöffensenat. Sein Sohn habe ihn ein Mal “beim Masturbieren erwischt” und ihm gedroht, das der Großmutter zu erzählen, die das Obsorgerecht für den Buben hat und bei der dieser auch lebt. Um die Konfrontation mit der Mutter seiner Lebensgefährtin zu vermeiden, die ihn “nie gemocht” habe, habe er seinem Sohn eine teure Pokemon-Karte ge- und damit sein Schweigen erkauft.
“Dann wollte er auch noch einen Wellensittich”, schilderte der Angeklagte. Das habe er abgelehnt. Da habe sein damals zwölf Jahre alter Sohn erklärt: “Wenn du mir den Wellensittich nicht kaufst, sag ich der Oma, dass du mich angegriffen hast.”
"Ich denke, er hat das aus dem Internet"
Dazu sei es dann auch gekommen. “Ich denke, er hat das aus dem Internet”, erklärte sich der Vater. Sein Sohn habe schon früh TikTok-Clips konsumiert und “Pornos geschaut”. Verteidiger Strauss bezeichnete den Sohn seines Mandanten als “hochauffälliges Kind” mit einer “Tendenz zur Manipulation und Lügenhaftigkeit”.
Sowohl der Sohn als auch die beiden anderen laut Anklage Betroffenen wurden im Ermittlungsverfahren kontradiktorisch als Zeugen vernommen und gutachterlich befragt. Der erste Gutachter habe die Kinder “massiv suggestiv befragt”, sagte der Verteidiger. Ein zweiter Gutachter habe in seiner Expertise festgestellt, “dass diese erste Befragung nicht lege artis war. Gerade Kinder sind sehr empfänglich für Suggestion.” Der auf Sexualstraftaten spezialisierte forensische Psychiater Frank Urbaniok, der in diesem Fall ebenfalls beigezogen wurde, habe dann “klare Hinweise für Falschaussagen” der angeblichen Opfer gefunden, gab Strauss zu bedenken.
“Er war nie mit den Kindern allein”, verwies der Verteidiger auch noch darauf, dass der Angeklagte gar kein so genanntes Gelegenheitsverhältnis gehabt hätte, um sich an den Buben zu vergehen und dem Mädchen viel zu nahe zu kommen. Bei einer Hausdurchsuchung, die nach Einbringen der Anzeige durchgeführt wurde, habe man bei seinem Mandanten kein Material mit Kindesmissbrauchsdarstellungen entdeckt, was gegen eine pädophile Veranlagung spreche. Der 37-Jährige lebe außerdem nach wie vor in einer aufrechten Beziehung mit der Mutter seines Sohnes.

Kommentare
Lädt Kommentare...