Die ARD-Sendung „Klar” hatte zuletzt für Entsetzen gesorgt – wie exxpress berichtete. Moderatorin Julia Ruhs zeigte in der Folge „Wo Islamisten Deutschland unterwandern” Aufnahmen vom Berliner Hermannplatz, auf denen junge Männer ohne Zögern erklärten, die Scharia über deutsches Recht zu stellen – einer sagte auf die Frage nach seiner Schwester: „Ich bringe sie um.” Nun reagiert der Islamrat für die Bundesrepublik Deutschland mit einer Programmbeschwerde gegen den Bayerischen Rundfunk. Der Vorsitzende Burhan Kesici erklärt, die Sendung entfalte eine „pauschalisierende, antimuslimische Wirkung” und verbinde sehr unterschiedliche Phänomene zu einer „alarmistischen Unterwanderungserzählung”. Gleichzeitig hat der BR die Sendung bereits nachbearbeitet und Passagen mit Kindern einer Neuköllner Grundschule teilweise gelöscht. newsroom berichtete.

Was die Sendung zeigte – und warum sie für Entsetzen sorgte

Am Hermannplatz in Berlin-Neukölln wurden junge Männer auf Arabisch gefragt, was für sie gilt, wenn deutsches Recht und Scharia kollidieren. Die Antworten kamen ohne Zögern: „Ich folge meiner Scharia, meinem Koran. Deutschland interessiert mich dann nicht, nur meine Religion.” Ein anderer ergänzte: „Die Scharia natürlich.”

Auf die Frage nach Strafen für unverheiratete Paare folgten Antworten über Steinigung und Auspeitschung – und schließlich die Aussage, eine Schwester töten zu wollen, wenn sie einen Freund hat.

Die frühere Verfassungsschützerin und Islamismus-Expertin Gülden Hennemann, selbst Muslimin, begleitete die Reporter durch Neukölln und bezeichnete den Hermannplatz als „Trennlinie” – zwischen einem Teil Berlins, der „noch sehr demokratisch geprägt” sei, und einem Teil, der „Personenkreise und Ideologien beherbergt, die nicht unbedingt mit unserer Demokratie vereinbar sind.”

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„Muslimische Alltagspraxis unter Generalverdacht"

Der Islamrat betont, Berichterstattung über Extremismus grundsätzlich zu befürworten. „Wir kritisieren nicht, dass öffentlich-rechtliche Medien über religiös begründeten Extremismus, Gewalt, Antisemitismus oder demokratiefeindliche Ideologien berichten. Das ist notwendig”, so Kesici. Der Beitrag stelle jedoch „muslimische Alltagspraxis und migrantisch geprägte Räume in einen problematischen Verdachtszusammenhang.”

Auch Eltern und die Schulleitung einer Neuköllner Grundschule hatten sich beschwert – sie werfen den Machern vor, Interviews mit Kindern selektiv und einseitig abgebildet zu haben. Der BR bestreitet dies, hat die fraglichen Passagen auf Bitten der Eltern aber dennoch „freiwillig und ohne Anerkennung jeder Rechtspflicht” gelöscht.

Sendung für konservative Zielgruppen

Das 2025 gestartete Magazin „Klar” wurde von der ARD explizit geschaffen, um konservativere Zielgruppen zu erreichen – und Moderatorin Julia Ruhs lieferte mit der Neukölln-Reportage genau das, wofür das Format steht: Unbequeme Fragen, klare Bilder, keine Beschönigung.

Der NDR hatte sich im vergangenen Jahr nach drei Pilotsendungen von Ruhs getrennt – die Folge, die nun für Diskussionen sorgt, stammt jedoch aus dem vom BR verantworteten Teil des Formats. Die NDR-Folgen moderiert mittlerweile Ex-Bild-Chefredakteurin Tanit Koch.

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BR prüft – und schweigt vorerst

Zur Programmbeschwerde des Islamrats erklärte der BR knapp: „Die Programmbeschwerde ist im BR eingegangen. Wir werden uns nun mit der gebotenen Sorgfalt inhaltlich damit auseinandersetzen.” BR-Rundfunkrätin Sanne Kurz fordert „vollumfängliche Aufklärung” – auch darüber, ob bei den Dreharbeiten an der Schule klar kommuniziert wurde, für welche Sendung die Aufnahmen gemacht wurden. Der BR hingegen besteht darauf, die Schule von Beginn an über den Fokus der Dreharbeiten informiert zu haben.