Die Deutschen wollen die Grenzen dichtmachen: Mehr als die Hälfte der Bevölkerung, konkret 51 Prozent, spricht sich für eine vollständige Schließung der Grenzen für Flüchtlinge aus. Das zeigt eine neue internationale Erhebung des Meinungsforschungsinstituts Ipsos UK, die gemeinsam mit dem UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR veröffentlicht wurde. Darüber berichtet unter anderem die “Welt”.

Brisant ist der Befund vor allem, weil er einen offenen Widerspruch offenlegt: Zwar wollen viele die Schotten dicht – gleichzeitig bekennen sich aber 69 Prozent der Befragten grundsätzlich zum Recht, in einem anderen Land Schutz vor Krieg oder Verfolgung zu suchen. Ein Bekenntnis zum Prinzip, gepaart mit tiefer Skepsis gegenüber der Praxis.

Genau dieses Muster zieht sich laut Ipsos durch zahlreiche Länder. “Es zeigt sich in vielen Ländern, dass Menschen sowohl grundsätzlich für Flüchtlingsschutz, aber gleichzeitig skeptisch über die Umsetzung sind”, so Ipsos-UK-Direktorin Trinh Tu. Am größten war die Unterstützung für die Aufnahme von Flüchtlingen demnach in Schweden und den Niederlanden mit jeweils 78 Prozent, gefolgt von Spanien mit 76 Prozent.

Für die Erhebung wurden zwischen dem 24. April und dem 8. Mai 2026 insgesamt 21.521 Erwachsene in 29 Ländern befragt, darunter rund 1.000 Personen in Deutschland. Das Institut gibt die Fehlertoleranz bei dieser Stichprobengröße mit plus/minus 3,5 Prozentpunkten an.

Zweifel an den Motiven

Besonders deutlich fällt das Misstrauen aus, wenn es um die Beweggründe der Ankommenden geht: 62 Prozent der deutschen Befragten sind überzeugt, dass viele Asylsuchende und Migranten gar nicht wirklich schutzbedürftig seien, sondern in erster Linie wirtschaftliche Chancen oder Sozialleistungen suchten. Damit liegt Deutschland etwa im Durchschnitt der 29 untersuchten Länder.

Am skeptischsten sind die Deutschen aber bei der Integration. Während im Länderschnitt 44 Prozent daran glauben, dass Flüchtlinge sich erfolgreich einleben, sind es hierzulande nur 30 Prozent. Einen positiven Beitrag der Flüchtlinge für die Gesellschaft sehen in Deutschland lediglich 35 Prozent – international liegt dieser Wert bei 39 Prozent. Auch über alle Länder hinweg überwiegen die Zweifler: 47 Prozent widersprechen der Aussage, dass Flüchtlinge einen positiven gesellschaftlichen Beitrag leisten.

Junge deutlich offener als Ältere

Quer durch alle Länder zeigt sich ein klarer Generationengraben. Die Generation Z steht der Aufnahme und Integration von Flüchtlingen deutlich offener gegenüber als ältere Jahrgänge. Weltweit glauben 49 Prozent dieser Altersgruppe an eine erfolgreiche Integration – bei den Babyboomern sind es nur 39 Prozent. Auch die Zweifel an den Motiven der Schutzsuchenden und die Zustimmung zu Grenzschließungen fallen bei den Jüngeren seltener aus. Verbreitet bleiben sie aber in allen Generationen.