Ein gut einminütiges Video aus den Niederlanden geht seit Anfang Mai durch die politische X-Blase. Es ist auf Niederländisch gesprochen, mit erkennbarem marokkanischem Akzent. Zu sehen ist ein bärtiger, kahlköpfiger Mann im schwarzen Hoodie, offenbar in einem privaten Raum. Er redet sich in Rage – über muslimische Männer, die es aus seiner Sicht gezielt auf muslimische Mädchen abgesehen hätten.

Der Clip wurde unter anderem von dem in Polen ansässigen Account Visegrád 24, von der konservativen Influencerin Liza Rosen und schließlich vom britischen Komiker John Cleese weiterverbreitet, der kommentierte: „Ich frage mich, wie das mit dem Konzept des Multikulturalismus zusammepasst.“

Kompatibel mit Multikulturalismus?
Kompatibel mit Multikulturalismus?

In den englischen Begleittexten fallen drastische Begriffe: niederländische Frauen seien angeblich „halal”, „ehrlos” oder „billiges Fleisch”. Der Mann fordere muslimische Männer auf, niederländische Frauen sexuell auszubeuten.

Sagt er das wirklich?

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Was der Mann tatsächlich sagt

Wörtlich beginnt die Tirade mit der Frage: „Warum suchen marokkanische Burschen heutzutage nur noch nach marokkanischen Mädchen? Nicht, um sie zu heiraten, sondern um Unzucht mit ihnen zu treiben.“

Dann zählt der Sprecher mehrere niederländische Städte auf: Utrecht, Amsterdam, Rotterdam, Den Haag. Sein Vorwurf: „Sie jagen nur noch nach Kopftüchern.“

Den muslimischen Mädchen stellt er „holländische Mädchen“ gegenüber. Über sie sagt er sinngemäß: Ihnen mache sexuelle Freizügigkeit nichts aus. Ob sie heute mit diesem oder jenem Mann ins Bett gingen, sei für sie kein Problem. Das sei eben „Freiheit“, sagt der Mann. Die Schlussfolgerung – sinngemäß: Bei diesen Mädchen solle es den jungen Männern egal sein.

Stattdessen, so seine Empörung, suchten die marokkanischen jungen Männer „Fatima“, die „Tochter von Onkel Mohamed, der in der Moschee sitzt“, oder „die Schwester von Samir“.

„Die Ehre des Muslims ist haram“

Der entscheidende Satz folgt am Ende. Der Sprecher sagt: „Die Ehre des Muslims ist haram. Haram. Allah – gepriesen und erhaben sei Er – hat uns das vom siebten Himmel herab mitgeteilt: Das ist haram, haram.“

„Haram” bedeutet im islamischen Sprachgebrauch: verboten, religiös tabu. Gemeint ist hier offenbar nicht, dass Ehre selbst verboten wäre, sondern dass die Ehre eines Muslims nicht angetastet werden darf. Aus dem Kontext ist klar: Der Mann spricht vor allem über die Ehre muslimischer Mädchen.

Damit ist die eigentliche Brisanz des Clips benannt: Muslimische Mädchen werden über den Ehrbegriff religiös geschützt. Niederländische Mädchen hingegen erscheinen pauschal als sexuell freizügig – als Frauen, bei denen es angeblich ohnehin keine Rolle spiele.

Entlarvende Doppelmoral

Der Clip zeigt keine wörtliche Aufforderung zur Ausbeutung niederländischer Frauen. Aber er zeigt eine klare Doppelmoral. Auf der einen Seite: „Fatima“, Kopftuch, Moschee, Familie, Ehre, Heirat. Auf der anderen Seite: „das holländische Mädchen“, dem sexuelle Freizügigkeit angeblich egal sei.

Worauf das Video offensichtlich hinausläuft: Muslimische Mädchen sollen geschützt werden – nicht-muslimische Mädchen werden abgewertet.

Die Vorwürfe auf X

In den englischen Begleittexten wird der Clip deutlich verschärft. Visegrád 24 schreibt, der Mann fordere muslimische Männer auf, niederländische Frauen statt muslimischer Mädchen sexuell auszubeuten. Andere Versionen sprechen davon, niederländische Mädchen seien „ehrlos“ oder „billiges Fleisch“.

Das dem exxpress vorliegende niederländische Transkript belegt das nicht. Der Sprecher sagt nicht ausdrücklich, niederländische Frauen seien „halal“. Er sagt auch nicht wörtlich, man dürfe sie ausnutzen oder wegwerfen.

Aber: Die Empörung kommt nicht aus dem Nichts. Der Mann stellt muslimische Mädchen als Trägerinnen geschützter Ehre dar – und „niederländische Mädchen“ als sexuell beliebig.

Der Clip schlägt in einer angespannten Atmosphäre ein

Die Aufregung trifft auf ein Thema, das Europa zunehmend beschäftigt: Grooming, sexuelle Ausbeutung, migrantische Parallelmilieus und Behördenversagen.

In den Niederlanden ist seit Jahren das Phänomen der sogenannten „Loverboys“ bekannt: Täter, die junge Mädchen über Scheinbeziehungen, emotionale Abhängigkeit und Manipulation unter Kontrolle bringen und später sexuell ausbeuten. Die Wissensstelle Movisie dokumentiert das Phänomen seit den 2000er-Jahren; ein Teil der Täter ist marokkanisch-niederländischer Herkunft, Sozialarbeiterinnen berichten seit Jahren von genau jener Doppelmoral, die der Clip nun offen ausspricht.

In Großbritannien erschütterten Fälle in Rotherham, Rochdale, Oxford, Newcastle und Telford das Land. In Rotherham fanden Ermittler Hinweise auf mindestens 1.400 sexuell ausgebeutete Kinder zwischen 1997 und 2013. In den darauffolgenden Strafverfahren findet sich wiederkehrend der Begriff „leichtes Fleisch“, mit dem Täter ihre weißen Opfer beschrieben. Der Oxforder Imam Dr. Taj Hargey, Direktor des Muslim Education Centre of Oxford, hat öffentlich erklärt, in Teilen seiner Community werde eine verzerrte islamistische Lesart genutzt, um genau diese Hierarchisierung zu rechtfertigen.

Der aktuelle Clip beweist keinen solchen Fall. Aber er berührt genau jene Debatte, die seit Jahren geführt wird: Gibt es in bestimmten Milieus eine gefährliche Doppelmoral – eigene Mädchen als Trägerinnen von Ehre, westliche Mädchen als angeblich verfügbar?

Was offenbleibt

Unklar ist bisher, wer der Sprecher ist, wann der Clip aufgenommen wurde und in welchem Rahmen die Ansprache stattfand. Das Setting wirkt eher privat als wie eine klassische Moschee-Predigt. Ob es sich um einen Vortrag, eine Social-Media-Aufnahme oder einen Ausschnitt aus einem längeren Video handelt, ist offen.

Eine unabhängige journalistische Verifikation liegt derzeit nicht vor.

Auch wenn der Clip härter interpretiert wird, als er ist, man kann ihn wegen der Doppelmoral darin auch nicht klein reden: Muslimische Mädchen gehören geschützt, ihre Ehre ist religiös tabu. Niederländische Mädchen hingegen stellt er pauschal als sexuell freizügig dar.