Die Makaken auf dem berühmten Felsen von Gibraltar sind bei Touristen sehr beliebt – und werden von ihnen oft mit Süßigkeiten und Snacks gefüttert. Doch genau diese Ernährung bringt die Tiere aus dem Gleichgewicht. Eine Studie der Universität Cambridge zeigt: Die Affen reagieren darauf mit einem überraschenden Verhalten, das ihrem Darm guttun könnte. Die Welt berichtete.
Junkfood verändert das Leben der Makaken
Die Makaken auf Gibraltar sind etwas Besonderes, denn sie sind die einzige frei lebende Affenpopulation Europas. Durch die vielen Touristen hat sich ihr Essverhalten jedoch erheblich verändert.
Eis, Schokoriegel oder Chips gehören mittlerweile regelmäßig zu ihrer Nahrung. Laut Sylvain Lemoine, Studienleiter an der Universität Cambridge, sind diese Snacks „extrem reich an Kalorien, Zucker, Salz und Milch“. „Das unterscheidet sich völlig von der üblichen Nahrung dieser Tierart, zu der Kräuter, Blätter, Samen und gelegentlich Insekten gehören“, so Lemoine weiter.
Eigentlich ist das Füttern der Tiere verboten. Wer es trotzdem tut, riskiert eine Geldstrafe von 500 Pfund (rund 577 Euro). Denn die Behörden warnen, dass die mitgebrachten Lebensmittel Krankheiten wie Diabetes verursachen könnten. Trotzdem wird das Verbot oft ignoriert. Während der Studie machten Snacks von Touristen rund 18,8 Prozent der Nahrung der Makaken aus. Die Folge: Das Darm-Mikrobiom der Tiere verändert sich.
Erde für den Darm
Die Affen scheinen jedoch eine eigene Lösung gefunden zu haben. Im Schnitt nahmen die Makaken in Gibraltar zwölfmal pro Woche Erde zu sich. Dieses Verhalten ist im Tierreich nicht ungewöhnlich und wird als Geophagie bezeichnet, also der Verzehr von Erde, Ton oder Lehm. Auch andere Tiere, wie beispielsweise Schimpansen oder Lemuren, zeigen dieses Verhalten.
Die Forscher vermuten, dass die Erde den Affen dabei hilft, ihre Verdauung wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Sie könnte Bakterien und Mineralien liefern, die in der zucker- und fettreichen Nahrung fehlen. Außerdem könnte sie die Darmschleimhaut stärken und Reizungen, die durch Junkfood entstehen, lindern.
Deutliche Unterschiede je nach Touristenkontakt
Besonders auffällig war, dass Affengruppen, die viel Kontakt zu Touristen hatten, deutlich häufiger zur Erde griffen als andere. In einer Gruppe ohne Kontakt zu Besuchern wurde dieses Verhalten gar nicht beobachtet.
Auch die Jahreszeit spielt eine Rolle. In der touristischen Hochsaison nahmen die Tiere mehr Snacks und gleichzeitig mehr Erde zu sich. Im Winter hingegen aßen sie rund 40 Prozent weniger Touristen-Nahrung und nahmen auch deutlich weniger Erde zu sich. Die Forscher stellten einen Rückgang der Geophagie um 31 Prozent fest.
Zudem scheint dieses Verhalten sozial erlernt zu sein. In knapp einem Drittel der Fälle wurde Erde gemeinsam in Gruppen verzehrt und in 89 Prozent der Fälle waren andere Tiere anwesend, wenn ein Affe Erde fraß.

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