Der spektakuläre Einsatz fand auf der strategisch wichtigen Kinburn-Nehrung in der südukrainischen Region Mykolajiw statt. Eine ukrainische Seedrohne wurde über das Schwarze Meer gesteuert, näherte sich der feindlich kontrollierten Küste und setzte dort einen unbemannten Bodenroboter ab. Dieser landete auf besetztem Gebiet und wurde anschließend für einen Kampfeinsatz eingesetzt, wie aus einer Mitteilung der 123. Brigade der Territorialverteidigung hervorgeht.

Das Motto der ukrainischen Einheit könnte deutlicher kaum sein: „Keine Soldaten, nur Maschinen.“

Bewaffneter „Luchs“ auf geheimer Mission

Welches Modell bei der historischen Mission laut Standard tatsächlich zum Einsatz kam, wurde offiziell nicht bekannt gegeben. Aufnahmen sollen jedoch darauf hindeuten, dass es sich um den ukrainischen Bodenroboter „Rys“ – zu Deutsch „Luchs“ – handeln könnte. Und der kleine Roboter hat es in sich: Er kann mit einem Maschinengewehr bewaffnet werden, fährt bis zu acht Kilometer pro Stunde und soll eine Reichweite von rund 40 Kilometern haben. Je nach Ausführung kann er bis zu 150 beziehungsweise 300 Kilogramm Nutzlast transportieren.

Flexibel einsetzbar

Der „Luchs“ ist dabei nicht nur für Kampfeinsätze gedacht. Solche Robotersysteme können auch Munition und andere Güter transportieren, Verwundete bergen sowie bei Pionier-, Minenlege- und Minenräumarbeiten eingesetzt werden.

Lädt...

Ferngesteuert hinter feindlichen Linien

Normalerweise werden die Bodenroboter aus der Ferne gesteuert. Wie dies beim aktuellen Einsatz auf der Kinburn-Nehrung über größere Entfernung gelang, ist allerdings unklar. Denkbar wäre eine Verbindung über Satelliteninternet oder zusätzliche Drohnen, die das Signal weiterleiten. Für menschliche Soldaten wäre eine derartige Landungsoperation extrem gefährlich gewesen. Die von Russland besetzte Kinburn-Nehrung gilt als stark umkämpft. Russische Überwachung, Artilleriebeschuss und Drohnen machen herkömmliche Landungsoperationen dort zu einem enormen Risiko.

Genau hier liegt der große Vorteil der neuen Taktik: Statt Soldaten in Lebensgefahr zu bringen, übernimmt die Maschine die gefährlichsten Aufgaben.

Strategisch wichtiger Landstreifen

Die rund 40 Kilometer lange Kinburn-Nehrung wurde bereits im März 2022 von russischen Truppen besetzt. Aufgrund ihrer Lage am Schwarzen Meer besitzt sie große strategische Bedeutung. Wer das Gebiet kontrolliert, kann wichtige Zugänge und Schifffahrtsrouten in der Region beeinflussen. Die Ukraine setzt bereits zunehmend auf Kampfroboter an der Front. Erst im Juni soll eine mechanisierte Brigade einen bewaffneten Bodenroboter zur Feuerunterstützung eingesetzt haben, als russische Truppen aus einem Dorf in der Region Charkiw zurückgedrängt wurden.

Nun geht die technologische Entwicklung offenbar einen Schritt weiter: Eine Drohne bringt einen bewaffneten Roboter übers Meer und setzt ihn hinter feindlichen Linien ab. Der Krieg der Maschinen ist damit längst keine Science-Fiction mehr.