Ein 60-jähriger kroatischer Staatsangehöriger griff seine 58-jährige Ehefrau Visnja S. am Dienstagabend gegen 21 Uhr auf offener Straße am Marktplatz mit einer Machete an. Der mutmaßliche Täter Stanislav S. soll ihr mindestens 30 Stich- und Schnittverletzungen im Bereich von Kopf, Hals, Nacken und Oberkörper zugefügt haben. Die Frau starb noch am Tatort.
Nach dem Angriff schleppte sich die 58-Jährige noch einige Meter weiter, bevor sie zusammenbrach. Unter ihr breitete sich eine große Blutlache aus. Passanten überwältigten den Angreifer vor einem Café direkt neben dem Marktplatz und hielten ihn fest, bis die Polizei eintraf und ihn festnahm. Ein Augenzeuge, der nur etwa fünf Meter entfernt war, schilderte später, ein möglicherweise betrunkener Mann habe der Frau mit der Machete in den Hals gestochen: „Alles voller Blut. Ich bin um mein Leben gerannt.“ Sie hatte keine Chance.
Die Staatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt wegen des Verdachts des Mordes aus niedrigen Beweggründen. Am Mittwochnachmittag erließ eine Ermittlungsrichterin am Amtsgericht Frankfurt Haftbefehl gegen den 60-Jährigen.
Das Opfer wäre bald Oma geworden
Hintergrund der Tat: Visnja und Stanislav S. waren seit 1991 verheiratet und haben einen erwachsenen Sohn. Visnja S. wäre demnächst Oma geworden. Die beiden lebten nur rund 100 Meter vom späteren Tatort entfernt in einer kleinen Wohnung. Seit etwa drei Jahren waren sie getrennt. Stanislav S. war zwischenzeitlich in seine kroatische Heimat zurückgekehrt. Vor etwa vier Jahren kam er zurück und wollte die Beziehung wieder aufnehmen. Visnja S. wollte das nicht mehr, nahm ihn aber dennoch bei sich auf, weil er sonst keine Bleibe hatte.
Bereits im August 2025 soll Visnja S. den Wunsch geäußert haben, sich scheiden zu lassen. Stanislav S. akzeptierte das nicht und soll wiederholt gedroht haben, sie im Falle einer Scheidung umzubringen. Die Staatsanwaltschaft geht von übersteigertem Besitzdenken und Eifersucht aus. Der Beschuldigte soll angenommen haben, seine Frau gehe ihm fremd.
„Seitens der Polizei unterbreitete Hilfsangebote lehnte die später Getötete in der Vorstellung, der Beschuldigte werde ihr nichts tun, da er sie noch liebe, ab“, heißt es von den Ermittlern.
Kroate kündigte Tat mehrfach an
Freunde und Bekannte berichten von massiven Problemen in der Beziehung. „Jeden Tag haben sie Krach gehabt. Er hat immer gesagt, dass er sie töten wird“, so ein Freund. Visnja S. habe unter großem Stress gelebt, das habe man in ihren Augen gesehen. Sie habe den Mann nicht zurückgewollt. Auch Nachbarn hätten mehrfach die Polizei gerufen. Der 60-Jährige sei aggressiv gewesen und habe viel getrunken. „Er war immer aggressiv, hat total viel getrunken“, berichtete ein Bekannter.
Visnja S. war in Kelkheim beliebt und hatte viele Freunde. Sie arbeitete erst bei einem Bäcker, später in einem Discounter. Verkäufer eines nahegelegenen Supermarkts kannten sie gut und wussten von den ständigen Streitereien: „Sie war oft bei uns einkaufen. Wir kannten sie. Aber wir wussten auch, dass sie nicht glücklich war. Immer wieder gab es Streit mit dem Ex.“ Ein Freund, Vladimir Milovac (69), dessen Hund immer mit Visnjas Hund gespielt hatte, sagte: „Sie hat immer unter Stress gelebt, das hat man in ihren Augen gesehen. Sie wollte ihn einfach nicht zurück.“
Täter wurde bei seiner Festnahme verletzt
Wie das Polizeipräsidium Westhessen und die Staatsanwaltschaft Frankfurt gemeinsam mitteilten, wurde der Ehemann bei seiner Festnahme verletzt. Weitere Einzelheiten konnten die Ermittler zunächst nicht nennen.
Viele Zeugen an belebtem Tatort
Laut Polizei gibt es umfangreiche Ermittlungsarbeiten und Spurensicherungsmaßnahmen. Es gebe viele Zeugen, da die Tat sich auf offener Straße ereignet habe, erklärte der Sprecher. Der Tatort befinde sich in der Nähe des Marktplatzes in Kelkheim. „Dort gibt es verschiedene Lokalitäten. Entsprechend hatten wir dann auch den Publikumsverkehr.“
Seelsorger seien vor Ort gewesen. „Das ist psychisch eine entsprechende Belastung, wenn man so etwas miterleben musste“, sagte der Polizeisprecher. Für die Allgemeinheit besteht nach Angaben der Ermittler keine Gefahr.
Die 28.000-Einwohner-Stadt Kelkheim im Main-Taunus-Kreis liegt rund zehn Kilometer nordwestlich des Frankfurter Stadtteils Unterliederbach.
Dieser Beitrag ist ursprünglich auf unserem Partner-Portal NiUS erschienen.

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