Die Lage spitzt sich zu: Engpässe bei Kerosin könnten bereits in wenigen Wochen massive Auswirkungen auf den europäischen Flugverkehr haben. Gestörte Lieferketten und beschädigte Ölanlagen im Nahen Osten setzen die Branche unter Druck. Während Airlines bereits Krisenszenarien prüfen, wächst die Sorge, dass ausgerechnet die Sommerreisesaison ins Wanken gerät. Die Heute berichtete.

Lieferketten gestört – Gefahr für Europas Flughäfen

Der Luftverkehrsverband in Berlin schlägt Alarm. Grund für die drohende Krise sind die unterbrochenen Lieferwege über die Straße von Hormus, über die ein großer Teil des nach Europa gelieferten Kerosins transportiert wird. Gleichzeitig wurden zahlreiche Ölanlagen im Krisengebiet beschädigt.

Auch international mehren sich die Warnungen. So erklärte IATA-Generaldirektor Willie Walsh, dass wegen des Kerosinmangels infolge des Iran-Kriegs „ab Ende Mai Flüge ausfallen“ könnten. Neben alternativen Lieferwegen seien klare Notfallpläne der Behörden nötig, etwa für eine mögliche Rationierung.

Sommerreise in Gefahr

Besonders problematisch ist, dass die Engpässe die Branche mitten in der Urlaubssaison treffen. „Die Sommerreisesaison steht unmittelbar bevor – das Ökosystem Tourismus ist in der Hauptreise- und Geschäftszeit auf den Luftverkehr angewiesen“, warnt Joachim Lang, Hauptgeschäftsführer des BDL.

Die Airlines reagieren bereits und prüfen einzelne Verbindungen. Zwar gibt es noch keine konkreten Streichungen von Ferienflügen, doch intern wird bereits an Krisenszenarien gearbeitet.

Preise steigen – Nachfrage könnte einbrechen

Die Auswirkungen sind bereits jetzt spürbar. So sind Flüge nach Südostasien oder Australien deutlich teurer geworden. Gabriel Felbermayr, Chef des Wifo, erwartet weitere Preissteigerungen: „Die Ticketpreise werden stark steigen, damit wird die Nachfrage nach Flugdienstleistungen zurückgehen.“

Das könnte eine Kettenreaktion auslösen: Sinkt die Nachfrage, könnten unrentable Strecken gestrichen werden, was weitere Folgen für Reisende hätte.

Erste Einschnitte und düstere Prognosen

Bei der Lufthansa sind die ersten Konsequenzen bereits sichtbar. Die Airline reduziert ihr Angebot deutlich und zieht insgesamt 27 Maschinen aus dem Verkehr. Neben den streikbedingten Ausfällen trägt auch das Aus der Regionaltochter Cityline dazu bei.

Die Lage wird zusätzlich durch beschädigte Infrastruktur verschärft: Mehr als 80 Anlagen am Persischen Golf sind betroffen. „Die Mineralölwirtschaft geht davon aus, dass noch für längere Zeit 20 Prozent der globalen Öl-Kapazität nicht verfügbar sind”, so Lang.

Auch die Internationale Energieagentur warnt: „Mehrere europäische Länder könnten in den kommenden sechs Wochen einer beginnenden Knappheit von Kerosin gegenüberstehen.“ Ersatzlieferungen – vor allem aus den USA – reichen laut Branchenvertretern nur für etwa die Hälfte der Ausfälle. Die EU-Kommission bleibt vorerst zurückhaltend, da sie noch keine massiven systemischen Engpässe sieht, die Lage aber genau beobachtet.