Es klingt wie aus einem Science-Fiction-Film: Ein KI-Modell von OpenAI hat sich bei einem internen Sicherheitstest eigenständig Zugang zum offenen Internet verschafft und anschließend Systeme der Plattform Hugging Face kompromittiert – exxpress berichtet. Das Unternehmen bestätigt den Vorfall in einem Blogeintrag. Während über die Kontrolle solcher Systeme diskutiert wird, wächst im Hintergrund ein zweites Problem – und das ist mindestens so brisant: Die Rechenzentren, die Künstliche Intelligenz erst möglich machen, brauchen immer mehr Strom und Wasser.
Die Zahlen sind eindeutig. Laut Internationaler Energieagentur (IEA) verbrauchten Rechenzentren 2024 rund 415 Terawattstunden Strom – etwa 1,5 Prozent des weltweiten Verbrauchs. Bis 2030 rechnet die IEA mit einem Anstieg auf rund 945 Terawattstunden. Der Verbrauch würde sich damit mehr als verdoppeln und knapp drei Prozent des globalen Bedarfs erreichen. Fast die Hälfte des Mehrverbrauchs entfällt auf KI-Beschleuniger. Zum Vergleich: Deutschland und Frankreich zusammen verbrauchen heute weniger Strom.
Weltweit bleibt der Anteil zwar überschaubar. Regional kann er jedoch erhebliche Folgen haben, weil sich die Anlagen auf wenige Standorte konzentrieren – darauf weist die IEA ausdrücklich hin. Für die EU nennt Reuters eine Rechenzentrumskapazität von rund zwölf Gigawatt im Jahr 2025, die bis 2030 auf 28 Gigawatt steigen könnte. Ein einziges Rechenzentrum mit einer Dauerleistung von einem Gigawatt käme bei voller Auslastung auf rund 8,76 Terawattstunden im Jahr – das entspricht ungefähr der Jahresproduktion eines großen Kernkraftwerksblocks, berichtete die Berliner Zeitung.
Woher der Strom kommen soll
Der Strom für die Anlagen stammt keineswegs nur aus erneuerbaren Quellen. Viele Betreiber setzen zwar auf Wind- und Solarenergie, doch der zusätzliche Bedarf lässt sich damit nicht immer decken. Wird kein zusätzlicher Ökostrom erzeugt, fehlt er schlicht anderen Verbrauchern. Offen bleibt auch, wie die Rechenzentren in langen Phasen mit wenig Wind und Sonne versorgt werden – und wer die Kosten für Netzausbau, Speicher und Reservekraftwerke trägt.
Die IEA erwartet, dass knapp die Hälfte des zusätzlichen Bedarfs aus erneuerbaren Energien gedeckt werden kann. Zugleich rechnet sie mit einem stärkeren Einsatz von Gas, Kohle und Kernenergie. Nach einer Auswertung von Carbon Brief investieren die USA wegen des KI-Booms inzwischen mehr Geld in fossile Kraftwerke als China.
Die EU-Kommission will KI-Ausbau und Klimaziele miteinander vereinbaren. Der Präsident der European Data Centre Association hält das kurzfristig für ausgeschlossen: Europa könne derzeit nicht beides zugleich verfolgen, sagte er dem Portal E&E News. Wolle Europa im Wettbewerb mit China und den USA mithalten, müsse es womöglich vorübergehend auf neue Gaskraftwerke setzen. Netze, Speicher und neue Kernkraftwerke stünden nicht rechtzeitig zur Verfügung.
Wenn Rechenzentren mit Haushalten konkurrieren
Wie hart der Kampf um den Strom werden kann, zeigt ein Fall aus der Region Lake Tahoe. Ein Versorger muss dort ab 2027 eine neue Stromquelle für rund 50.000 Einwohner finden. Als einen Grund nennt das Unternehmen den wachsenden Bedarf der Rechenzentren im benachbarten Nordnevada. Der bisherige Lieferant weist diese Darstellung allerdings zurück.
Und die Zeche zahlt am Ende der Verbraucher: Die Strompreise für Haushalte in den USA sind seit 2020 um rund 34 Prozent gestiegen, wie die New York Times berichtet. Ein Teil des Anstiegs geht dem Bericht zufolge auf den Ausbau von KI-Rechenzentren zurück. Fachleute warnen, ein Teil der geplanten Investitionen könnte überdimensioniert sein – die Kosten landen dann über die Strompreise bei den Kunden.
Der Fall Kronstorf: Wenn das Rechenzentrum den Fluss aufheizt
Welche Konflikte daraus entstehen, zeigt ein Beispiel aus Österreich. Google baut in Kronstorf an der Enns sein erstes Rechenzentrum im Land. Die Anlage wird erwärmtes Kühlwasser in den Fluss einleiten. Kritiker warnen vor zusätzlichen Belastungen für ein Gewässer, das schon unter Hitze und Trockenheit leidet – und vor Folgen für die Fische. Das oberösterreichische Energieeffizienzgesetz sieht immerhin vor, dass die Abwärme nach Möglichkeit genutzt wird.
Der Ausbau stößt inzwischen auf politischen Widerstand. Mehrere Städte, Regionen und Regierungen haben Projekte eingeschränkt oder vorübergehend gestoppt – als Gründe nennen sie steigende Stromkosten, Wasserverbrauch, Flächenbedarf und die Belastung der Stromnetze.
Besonders paradox: Brüssel will Künstliche Intelligenz ab 2027 stärker zur Steuerung des Energiesystems einsetzen. Sie soll Stromnetze optimieren, Angebot und Nachfrage abstimmen und erneuerbare Energien effizienter integrieren. Ein Baustein sind intelligente Stromzähler, mit denen sich der Verbrauch der Haushalte in Zeiten geringer Netzbelastung verlagern soll. Ausgerechnet eine besonders energiehungrige Technologie soll also helfen, Strom effizienter zu verteilen. Offen bleibt dabei, welche Entscheidungen künftig automatisiert getroffen werden, wie transparent das abläuft und wie weit staatliche Eingriffe in den Energieverbrauch privater Haushalte reichen dürfen.
Ob Künstliche Intelligenz dem Klima am Ende nützt oder schadet, entscheidet sich an einer einzigen Frage: Woher kommt der zusätzliche Strom?

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