Sie kamen aus der Tech-Welt, aus dem Klassenzimmer und aus der Politik. Und sie alle sagten dasselbe: Der Westen verliert nicht nur Macht. Er verliert Orientierung.

So lautete die unausgesprochene Klammer der konservativen ARC-Konferenz in London. Rund 4.000 Delegierte aus mehr als 80 Ländern hörten vom 23. bis 25. Juni im Olympia London, was schiefläuft. Die drei schärfsten Momente kamen von Marc Andreessen, Katharine Birbalsingh und Kate Forbes.

Andreessen: „Nie wieder irgendetwas bauen“

Marc Andreessen machte keine halben Sachen. Der Venture-Kapitalist und Mitgründer von Andreessen Horowitz nannte den Widerstand gegen neue Technologien „eine Form von Massenpsychose“. 5G, Kernkraft, Fracking, KI-Rechenzentren: immer dieselbe Panik, immer dieselbe Geschichte.

Wer heute gegen Rechenzentren kämpfe, werde „nie wieder irgendetwas bauen“, sagte Andreessen.

Die Angst vor KI-bedingten Jobverlusten? Auch das kenne die Geschichte. Dampfmaschine, Computer – jedesmal Panik, jedesmal das Gegenteil eingetreten. KI werde „Überfluss“ erzeugen. Die Jobs der Zukunft würden so viel besser sein, „dass wir auf diese Ära zurückblicken und froh sein werden, sie hinter uns gelassen zu haben“.

Birbalsingh: James Watt als Schuldiger

Katharine Birbalsingh kennt man als „Britanniens strengste Direktorin“. Die Gründerin der Michaela Community School in London stellte die härteste Diagnose des Abschlusstages: Die moralische Verwirrung junger Menschen sei kein Polizeiproblem, und auch kein Erziehungsversagen der Eltern. Es sei ein „Zivilisationsversagen“.

Der britische Lehrplan reduziere Geschichte weitgehend auf Sklavenhandel und Migration. Historische Persönlichkeiten wie der Erfinder James Watt würden in Museen primär als historisch Schuldige gerahmt. Kinder lernten nicht, verantwortungsvolle Bürger zu sein. Sie lernten, Opfer zu sein.

„Wir sind diejenigen, die unsere Kinder in eine Kultur des Opferdenkens getäucht haben“, sagte Birbalsingh. Ihr Appell: Kinder müssten gegen „die verführerischen Ideen des Opferdenkens immunisiert“ werden. Pflicht, Dankbarkeit, Vaterlandsliebe – das seien die Gegengifte.

Forbes: Christlicher Glaube als Verdachtssache

Das persönlichste Zeugnis lieferte Kate Forbes. Die frühere stellvertretende Erste Ministerin Schottlands sprach aus eigener Erfahrung.

2023 kandidierte Forbes für den Vorsitz der Scottish National Party. Am ersten Kampagnentag bekannte sie sich offen zu ihrem christlichen Glauben. Die Medien überschlugen sich. Nicht über ihre Positionen, sondern über die Frage: Ist eine Christin überhaupt geeignet für dieses Amt? „Das Gewissen wurde aus dem öffentlichen Leben gelöscht“, sagte Forbes in London. Religiöse Überzeugungen gälten als Befangenheit. Säkulare Ideologien als neutral. Das sei eine Illusion – und zwar eine gefährliche.

Die Freiheiten des Westens seien nicht vom Himmel gefallen. „Zwischen ihnen und der Bibel besteht eine Nabelschnur“, sagte Forbes. „Durchtrennt man sie, lade ich ein, die Alternative zu bedenken.“

ARC-Mitgründerin Baroness Philippa Stroud hielt abschließend fest: Der Westen habe eine bessere Geschichte zu erzählen – eine, die auf dem klassisch-christlichen Erbe aufbaue, statt es zu verwerfen.