Mehr als 1.600 Radfahrer an einem einzigen Schönwettertag: Eine neue, mit künstlicher Intelligenz arbeitende Zählstelle macht erstmals sichtbar, wie stark der Innradweg bei Brixlegg tatsächlich genutzt wird. Entwickelt wurde die Anlage von drei Tiroler HTL-Maturanten. Wie die „Tiroler Tageszeitung“ berichtet, ist das System nicht nur präzise, sondern auch deutlich günstiger als viele etablierte Lösungen.
Mehr als 100.000 Radfahrer im Jahr
Die ersten Ergebnisse der Messstelle beim Montanwerk in Brixlegg überraschten selbst die Projektbeteiligten. An Tagen mit gutem Wetter registrierte die Anlage mehr als 1.600 vorbeifahrende Radfahrer.
Auf ein Jahr hochgerechnet könnte die Zahl damit bei mehr als 100.000 liegen. Für die Gemeinde, das Land Tirol und die Tourismusregion Alpbachtal liefern die Daten erstmals eine konkrete Grundlage dafür, wie intensiv dieser Abschnitt des Innradwegs tatsächlich genutzt wird.
Hinter dem Projekt stehen Julian Lengauer, Manuel Margreiter und Daniel Schwarzenauer von der HTL Anichstraße in Innsbruck. Im Rahmen ihrer Diplomarbeit suchten die drei Maturanten nach einer Möglichkeit, Radverkehr zuverlässig zu erfassen, ohne dafür auf teure und aufwendig verbaute Standardsysteme zurückgreifen zu müssen.
Das Ergebnis überzeugte auch die Schule: Die Arbeit wurde mit „Sehr gut“ bewertet.
Kamera erkennt Objekte, speichert aber keine Bilder
Technisch unterscheidet sich die Anlage deutlich von klassischen Radzählstellen. Anstelle von Induktionsschleifen im Asphalt kommt eine kamerabasierte Objekterkennung zum Einsatz.
Eine Künstliche Intelligenz analysiert, ob es sich bei einem erfassten Objekt um einen Radfahrer, einen Fußgänger oder einen Scooterfahrer handelt. Persönliche Daten oder Bildaufnahmen werden dabei laut den Entwicklern nicht gespeichert. Das System zählt lediglich die erkannten Verkehrsteilnehmer. Damit soll eine präzisere Auswertung möglich sein als bei einfacheren Messanlagen, die verschiedene Nutzergruppen nicht immer zuverlässig voneinander unterscheiden können.
Nur rund 2.000 Euro Materialkosten
Auch bei den Kosten fällt das Projekt deutlich günstiger aus als viele herkömmliche Anlagen. Während professionelle Zählsysteme teilweise mehrere Zehntausend Euro kosten, beliefen sich die Materialausgaben für die Tiroler Entwicklung auf rund 2.000 Euro.
Verwendet wurden teilweise wiederaufbereitete Bauteile. Den benötigten Strom liefert eine Photovoltaikanlage, wodurch die Messstelle weitgehend unabhängig betrieben werden kann.
Den Anstoß für das Projekt gab Hans Moser, ein Kinderbuchautor aus Kramsach. Moser ist selbst begeisterter Radfahrer und liefert seine Bücher teilweise mit dem Fahrrad aus. Aus seiner Idee entwickelte sich gemeinsam mit den HTL-Schülern das Konzept für die neue Messstation. Moser zeigte sich bei der Präsentation erfreut darüber, dass aus dem ursprünglichen Vorschlag eine tatsächlich einsetzbare Anlage entstanden ist.
Für Brixlegg haben die Zahlen auch verkehrspolitische Bedeutung. Die Gemeinde bemüht sich seit Längerem gemeinsam mit dem Tourismusverband um eine bessere Radverbindung in Richtung Alpbachtal. Bürgermeister Rudolf Puecher sieht in der Zählstelle deshalb eine wichtige Entscheidungsgrundlage. Mit den Daten könne nun konkret belegt werden, wie stark die bestehende Radinfrastruktur genutzt werde. Die von den Maturanten entwickelte Anlage könnte damit künftig nicht nur Radfahrer zählen, sondern auch dabei helfen, neue Radwege und Verbindungen nachvollziehbarer zu planen.

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