Der erste Versuch fand bereits am 8. April im Naturschutzgebiet rund um die Halbinsel Mettnau im Untersee statt. Zum Einsatz kam eine speziell entwickelte Agrardrohne, die in die hoch gelegenen Nester der Kormorane vordrang.
Die Drohne sprühte Öl auf die in den Baumkronen liegenden Nester. Durch diese Behandlung wird die weitere Entwicklung der Eier verhindert – ohne sie direkt zu entfernen.
Damit soll der Bruterfolg der Kormorane reduziert werden, um den Fraßdruck auf Fischpopulationen im Bodensee zu senken. Besonders betroffen sind Arten, die ohnehin unter Druck stehen.
Präzision aus der Luft – vier Nester in nur 15 Minuten
Die eingesetzte Drohne beeindruckte vor allem durch ihre technische Leistungsfähigkeit. Mit einem Durchmesser von über zwei Metern und einem rund fünf Meter langen Karbonarm konnte sie von einer Plattform auf einem Schiff starten und gezielt in die Kolonie manövrieren.
Innerhalb von etwa 15 Minuten wurden vier Nester auf verschiedenen Bäumen behandelt – ein Tempo, das herkömmliche Methoden deutlich übertrifft.
Die Vögel selbst reagierten vergleichsweise ruhig: Erst bei unmittelbarer Annäherung verließen sie ihre Nester, kehrten jedoch kurz nach dem Einsatz zurück. Andere Arten wie Höckerschwäne oder Mittelmeermöwen zeigten kaum Reaktionen.
Wachsender Bestand, wachsender Konflikt
Hinter dem Projekt steht ein seit Jahren schwelender Konflikt. Kormorane sind effiziente Jäger und können täglich rund ein halbes Kilogramm Fisch aufnehmen. Besonders für die Fischerei am Bodensee stellt dies eine erhebliche Belastung dar.
Seit 2001 brüten die Vögel auch am Vorarlberger Ufer, etwa in der geschützten Fußacher Bucht. Dort wurden 2023 insgesamt 53 erfolgreiche Bruten mit 154 flüggen Jungtieren gezählt.
Während die Zahl der Brutpaare in Vorarlberg seit rund einem Jahrzehnt bei etwa 50 stabil bleibt, ist der Gesamtbestand am Bodensee zuletzt deutlich gestiegen. Aktuell werden rund 1500 Brutvorkommen gezählt.
Kritik im Vorfeld – Zweifel an Wirkung und Transparenz
Schon vor dem ersten Einsatz blieb das Projekt jedoch nicht ohne Widerspruch. Kritiker bemängelten insbesondere die Kommunikation und die langfristige Wirksamkeit der Maßnahme.
So wurde aus politischen Reihen gefordert, endlich konkrete Schritte umzusetzen, statt weitere Pilotprojekte zu starten. Andere Stimmen kritisierten mangelnde Transparenz. Auch aus der Wissenschaft kamen Zweifel: Der Ornithologe Gernot Segelbacher stellte infrage, ob das regelmäßige Behandeln tausender Nester dauerhaft praktikabel sei. Denn um spürbare Effekte zu erzielen, müssten Eingriffe über Jahre hinweg kontinuierlich erfolgen.
Wie es weitergeht – Entscheidung steht noch aus
Die Ergebnisse des Testlaufs werden nun ausgewertet. Ein Expertenkreis aus Vertretern von Naturschutz, Fischerei und Jagd soll in den kommenden Wochen über das weitere Vorgehen beraten.
Erst danach wird entschieden, ob und in welchem Umfang die Drohnentechnologie künftig in größeren Kolonien eingesetzt wird.
Parallel dazu laufen weitere Maßnahmen: Zwei ausgewachsene Kormorane wurden bereits mit Sendern ausgestattet, um ihre Bewegungsmuster besser zu verstehen.
Für das gesamte Interreg-Projekt stehen rund 900.000 Euro zur Verfügung. Neben technischen Eingriffen liegt der Fokus auch auf der ökologischen Aufwertung von Lebensräumen und dem Schutz gefährdeter Fischarten wie Äsche, Nase, Strömer, Bitterling und Bachneunauge.

Kommentare
Lädt Kommentare...