Geißen legen ihre Jungen bewusst im hohen Gras ab. Dort sollen sie vor Fressfeinden geschützt sein. Die Kitze folgen ihrem natürlichen Drückinstinkt und bleiben bei Gefahr regungslos liegen – selbst dann, wenn ein Mähwerk unmittelbar auf sie zufährt, berichtet die Krone.
Wärmebildkamera entdeckt die Tiere
Damit die Tiere nicht den Mähmaschinen zum Opfer fallen, arbeiten der Tiroler Jägerverband, das Land Tirol, die Landwirtschaftskammer und zahlreiche Jagdpächter bei der Initiative „Gemeinsam gegen den Mähtod“ zusammen.
Zum Einsatz kommen Drohnen mit Wärmebildkameras. Bereits in den frühen Morgenstunden fliegen ehrenamtliche Teams die Wiesen ab und spüren die versteckten Rehkitze aus der Luft auf. Anschließend werden die Tiere vorsichtig geborgen und bis zum Ende der Mäharbeiten in Sicherheit gebracht.
Drohnenpilotin und Jägerin Carola Klotz aus Sölden beginnt ihre Einsätze oft schon gegen fünf Uhr morgens.
Gemeinsam mit ihrer Assistentin Viktoria Gstrein und Jäger Hansjörg Swoboda kontrolliert sie die Wiesen, bevor die Traktoren ausrücken. Sobald auf dem Wärmebild ein heller Punkt erscheint, steht fest: Dort versteckt sich ein Rehkitz.
“Das ist bereits das 17. Kitz, das wir heuer retten”, berichtet Klotz.
Behutsame Rettung
Bei der Bergung achten die Helfer auf jedes Detail. Sie tragen Handschuhe und greifen die Tiere ausschließlich mit frischem Gras an, damit kein menschlicher Geruch zurückbleibt.
Anschließend kommen die Kitze in spezielle Transportkisten und werden an einem sicheren Ort abgestellt, bis die Wiese vollständig gemäht ist. Danach werden sie wieder freigelassen, damit die Mutter ihre Jungen problemlos wiederfindet.
Die Initiative wächst seit Jahren kontinuierlich. Rund 80 Drohnenpilotinnen und Drohnenpiloten waren im vergangenen Jahr in Tirol im Einsatz und retteten insgesamt 1.188 Rehkitze vor dem sicheren Mähtod.
Landwirte können über die Plattform „rehkitzrettung.at“ den zuständigen Drohnenpiloten in ihrer Region kontaktieren. Das Angebot ist kostenlos und wird überwiegend ehrenamtlich organisiert.
Freiwilliger Einsatz mit großer Wirkung
Obwohl das Tierschutzgesetz indirekt entsprechende Schutzmaßnahmen nahelegt, erfolgt die Rehkitzrettung in Tirol bislang auf freiwilliger Basis. In Deutschland sind vergleichbare Kontrollen bereits verpflichtend.
Für die Helfer steht dennoch fest: Jeder gerettete Rehnachwuchs ist den frühen Einsatz wert. Während die Mähmaschinen ihre Arbeit verrichten, sorgen die lautlosen Drohnen dafür, dass aus der Heuernte kein tödliches Risiko für die jüngsten Waldbewohner wird.

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