Für Wilhelm L., der in der Brandstätte wohnt, ist das Schauspiel längst zur belastenden Routine geworden. Jeden Freitag und Samstag beginne der Autocorso pünktlich gegen 20 Uhr und ziehe sich oft bis weit nach Mitternacht.

Von seiner Wohnung aus beobachtet der Pensionist Woche für Woche dieselben Szenen: Hochmotorisierte Fahrzeuge rollen im Schritttempo durch die engen Straßen der Wiener Innenstadt. Betroffen seien unter anderem die Tuchlauben, die Brandstätte, der Stephansplatz und die Rotenturmstraße.

Luxusautos drehen Runde um Runde

Besonders auffällig seien leistungsstarke Fahrzeuge von Marken wie BMW, Mercedes oder Audi. Laut dem Anrainer handle es sich dabei nicht um gewöhnlichen Verkehr.

“Die Autos fahren immer wieder im Kreis”, berichtet er. Während unter der Woche nachts nur vereinzelt Taxis unterwegs seien, würden sich an den Wochenenden lange Fahrzeugkolonnen durch die Innenstadt schieben.

Neben dem ständigen Motorenlärm bereiten dem Anrainer auch die Umweltbelastungen Sorgen. Stundenlang laufende Achtzylinder im Stop-and-go-Verkehr würden nicht nur für Lärm sorgen, sondern auch erhebliche Mengen an Abgasen und Feinstaub verursachen.

Gerade in den Sommermonaten verschärfe dies nach seiner Einschätzung zusätzlich die Hitzebelastung in den engen Straßenzügen der Innenstadt.

“Es wird immer schlimmer”, sagt Wilhelm L., der die Entwicklung seit rund zwei Jahren verfolgt. Was zunächst nur samstags zu beobachten gewesen sei, finde mittlerweile regelmäßig auch freitagabends statt.

Polizei kennt das Problem

Auch der Wiener Polizei ist die sogenannte Poser-Szene nach eigenen Angaben seit Längerem bekannt. Deshalb werden regelmäßig Schwerpunktaktionen in der Inneren Stadt durchgeführt.

Bereits im April wurden bei einer nächtlichen Kontrolle rund 100 Anzeigen ausgestellt. Nun fand bereits die vierte große Schwerpunktaktion unter dem Motto “Planquadrat gegen Poser und Raser in der Inneren Stadt” statt.

Dutzende Anzeigen und Fahrzeuge mit Mängeln

Die Bilanz der jüngsten Kontrolle zeigt, dass die Beamten zahlreiche Verstöße feststellten. Insgesamt wurden mehr als 70 Anzeigen erstattet und knapp 30 Organmandate ausgestellt. Darüber hinaus wiesen 15 kontrollierte Fahrzeuge schwere technische Mängel auf.

Trotz der wiederholten Polizeikontrollen fühlen sich viele Anwohner weiterhin im Stich gelassen. Nach Einschätzung von Wilhelm L. werden die Poser auch am kommenden Wochenende wieder ihre Runden durch die Wiener Innenstadt drehen.

Für die betroffenen Bewohner bleibt die Hoffnung, dass weitere Maßnahmen den nächtlichen Autokorsos künftig ein Ende setzen und wieder mehr Ruhe in die historische Innenstadt einkehrt.