Wie die griechische Nachrichtenplattform Tovima berichtete, schilderte Eirini Agapidaki, Griechenlands stellvertretende Gesundheitsministerin und ausgebildete Psychologin, den Vorfall in einem Fernsehinterview auf dem Sender Mega Channel. Agapidaki war im Sommer 2019 als Sonderbeauftragte für den Schutz unbegleiteter Minderjähriger eingesetzt worden und beschrieb die damaligen Zustände im Lager als „absolutes Chaos”. Die Mutter des Mädchens hatte offenbar dessen Verheiratung mit einem anderen Lagerbewohner vereinbart – als die Tochter sich weigerte, organisierte die Gemeinschaft eine Steinigung. Laut Agapidaki waren an dem Angriff auch Verwandte des Mädchens beteiligt.

Drogenhandel, Menschenhandel, fehlende Daten

Das Lager Moria war ursprünglich für rund 3.000 Personen ausgelegt worden, beherbergte im Sommer 2020 jedoch zeitweise bis zu 20.000 Menschen – darunter Tausende Minderjährige. Wie der European Conservative berichtete, herrschten dort neben beengten Verhältnissen auch Drogenhandel und Menschenhandel. Besonders gefährdet waren demnach Kinder der Hazara-Gemeinschaft aus Afghanistan, die häufig in die Hände von Schleppernetzwerken gerieten. Agapidaki betonte, dass Behörden anfangs nicht einmal verlässliche Daten über die Zahl der unbegleiteten Minderjährigen im Land hatten.

Mädchen gerettet – und später erfolgreich in der Schule

Das betroffene Mädchen wurde nach dem Angriff aus Moria herausgeholt und in eine Einrichtung für unbegleitete Minderjährige verlegt. Laut der Ministerin entwickelte es sich dort gut und erbrachte in der Schule starke Leistungen.

Brand 2020 zerstört das Lager – Freispruch für Verdächtige

Das Lager Moria, 2013 errichtet und spätestens seit der großen Flüchtlingsbewegung 2015 für seine katastrophalen Zustände bekannt, wurde im September 2020 durch einen Brand weitgehend zerstört. Papst Franziskus bezeichnete es während seines Pontifikats als Konzentrationslager. Wie GB News berichtete, wurden drei Migranten, die zunächst wegen der Brandlegung zu zehn Jahren Haft verurteilt worden waren, zuletzt in einem Berufungsverfahren freigesprochen – das Gericht sah ihre Tatbeteiligung als nicht erwiesen an. Der Brand hinterließ rund 13.000 Menschen ohne Unterkunft.

Nachfolgelager Kara Tepe ebenfalls in der Kritik

Nach der Zerstörung des Lagers wurde das Kara-Tepe-Lager als Ersatzunterkunft eingerichtet, das jedoch ebenfalls wegen überfüllter Zelte und maroder Infrastruktur in der Kritik steht. Ende 2025 lebten dort laut Angaben rund 15.000 Migranten.

Griechenland verschärft Migrationspolitik

Griechenland hat unter Premierminister Kyriakos Mitsotakis seine Migrationspolitik verschärft. Laut The European Conservative wurden unter anderem verlängerte Abschiebehaft, hohe Geldstrafen für illegale Einreisen sowie ein beschleunigtes Rückführungsverfahren eingeführt. Zudem wurde ein neues Altersfeststellungsverfahren mit drei Methoden eingeführt: körperliche Entwicklungsbewertung, psychosoziale Begutachtung und eine Röntgenaufnahme des linken Handgelenks zur Bestimmung der Skeletreife – nachdem Behörden festgestellt hatten, dass ein Großteil der Asylbewerber falsche Altersangaben gemacht hatte.