Villach, 15. Februar 2025. Ein 23-jähriger Syrer zieht mitten in der Innenstadt ein Messer und sticht wahllos auf Passanten ein. Ein 14-jähriger Bub stirbt. Fünf weitere Menschen werden verletzt, drei von ihnen schwer.
Der Asylberechtigte hatte sich im Internet radikalisiert und dem „Islamischen Staat“ die Treue geschworen. In seiner Wohnung wurde eine IS-Fahne gefunden. Mittlerweile wurde er zu lebenslanger Haft verurteilt.
Ein Betreuer, der den Attentäter deradikalisieren soll, räumt offen ein: Er wisse nicht, wie das gelingen könne. Bei einer derart tiefen Radikalisierung sehe er keinen Weg.
Ein halbes Jahr zuvor hatte ein Syrer beim Stadtfest in Solingen gezielt auf Hälse und Oberkörper eingestochen. Drei Menschen starben, zehn wurden verletzt. Der Täter handelte im Namen des IS. Ein Gericht verurteilte ihn ebenfalls zu lebenslanger Haft.
So werden zufällige Passanten zu Opfern. Ein Stadtfest, eine Fußgängerzone oder ein Lokal werden zum Tatort.
Eine Mutter und ihr Kind sterben
München, Februar 2025. Ein 24-jähriger Afghane fährt mit einem Auto in eine Gewerkschaftsdemonstration. 39 Menschen werden verletzt. Eine 37-jährige Mutter und ihre zweijährige Tochter sterben später im Krankenhaus. Die Ermittler gehen von einer religiösen Motivation aus.
Wenige Wochen zuvor greift ein 28-jähriger Afghane in Aschaffenburg eine Kindergruppe an. Ein zweijähriger Bub und ein 41-jähriger Passant, der helfen will, werden getötet. Drei weitere Menschen werden verletzt.
Der Tatverdächtige war ausreisepflichtig und zuvor psychiatrisch behandelt worden. Hinweise auf ein islamistisches Motiv fanden die Ermittler bei ihm nicht. Manchmal genügen auch ein verletztes Ehrgefühl, das Drogenmilieu, Lust an Gewalt oder psychische Erkrankung, um zum Attentäter zu werden. Doch immer wieder trifft es Menschen, die völlig zufällig am falschen Ort stehen.
Ein bestimmter Tätertyp
Nicht „der Migrant“ ist der Tätertyp. Denn: EU-Arbeitnehmer, asiatische Fachkräfte, ukrainische Familien und stabil integrierte Zuwanderer fallen in den ausgewerteten Daten nicht in derselben Weise auf.
Der auffällige Tätertyp ist enger umrissen: fast immer männlich, meist sehr jung, ohne festen Halt und oft nur schwach an Schule, Arbeit, Familie und Gesellschaft gebunden. Manche leben mit unsicherem Aufenthaltsstatus. Andere sind eingebürgert oder bereits in Europa geboren. Entscheidend ist die Mischung aus Alter, Geschlecht, Herkunftsmilieu, fehlender Integration, Gewaltbiografie und instabiler Lebenslage. Oft kommt eine Clique hinzu. Oder eine Bande. Oder ein radikales Milieu im Internet.
Diese Herkunftsländer fallen besonders auf
Eine einzige Nationalität dominiert nicht alle Formen der Kriminalität. Doch bestimmte Muster sind deutlich.
Bei Österreichs Jugendkriminalität stechen derzeit vor allem syrische Minderjährige hervor. Das Innenministerium spricht von „auffällig vielen“ syrischen Jugendlichen. Bei unter 14-jährigen Syrern stieg die Zahl der Anzeigen von rund 25 im Jahr 2015 auf knapp 1000 im Jahr 2024. Bei gewaltsamen Jugendbanden in Wien traten zudem Gruppen aus Syrern und Afghanen sowie Tschetschenen gegeneinander an.
Bei Gruppenvergewaltigungen in Deutschland waren nach deutschen Tatverdächtigen zuletzt Syrer, Afghanen, Iraker und Türken am häufigsten vertreten. 2025 waren 53 Prozent der Verdächtigen keine deutschen Staatsbürger.
Bei besonders hartnäckigen Mehrfach- und Intensivtätern nennt das deutsche Bundeskriminalamt dagegen vor allem Männer aus den Maghreb-Staaten, aus Libyen und aus Georgien. Syrer und Afghanen fallen wegen ihrer großen Zahl zwar häufig in der Statistik auf, gehören laut BKA aber nicht überdurchschnittlich oft zu den Mehrfachtätern.
Es gibt Unterschiede: Syrien, Afghanistan und Irak fallen stärker bei Gewalt und sexueller Gruppengewalt auf. Bei Raub, Drogenhandel und hartnäckiger Mehrfachkriminalität treten häufiger Täter aus Nordafrika, Libyen und Georgien hervor.
Gewalt wird zum Beweis von Stärke
Für manche jungen Männer wird Gewalt zur Abkürzung zu Ansehen. Wer in der Schule scheitert, keine Arbeit findet und zu Hause kaum Halt hat, sucht Anerkennung anderswo – auf der Straße, in der Clique, mit der Faust oder mit dem Messer.
Die Tat wird gefilmt. Das Opfer wird gedemütigt. Das Video landet auf TikTok, Snapchat oder Telegram. Gewalt ist dann nicht nur Mittel zum Zweck. Sie wird zur Inszenierung.
Kriminologen verweisen auf männliche Gruppen, in denen Härte und Rücksichtslosigkeit als Stärke gelten. Wer zuschlägt, raubt oder andere erniedrigt, gewinnt innerhalb der Clique an Status.Österreichs Täter werden immer jünger
Österreichs Täter werden immer jünger
In Österreich registrierte die Polizei 2025 insgesamt 88.133 Gewaltdelikte. Das waren 2,2 Prozent mehr als im Jahr davor – und der höchste Wert seit 25 Jahren.
Besonders alarmierend ist die Entwicklung bei Kindern. Die Polizei ermittelte 13.179 Tatverdächtige im Alter von zehn bis unter 14 Jahren. Das waren 9,4 Prozent mehr als 2024.
Erstmals waren in dieser Altersgruppe mehr ausländische als österreichische Verdächtige registriert. Ihr Anteil lag bei 51,3 Prozent. Besonders stark fällt die Entwicklung bei syrischen Kindern auf. Bei syrischen Zehn- bis 14-Jährigen stieg die Zahl der Anzeigen seit 2015 von knapp 25 auf fast 1000 im Jahr 2024. Das zeigt: In einer kleinen Teilgruppe Ost ein massives Problem entstanden.
Wenige Täter, sehr viele Opfer
Hinter der Entwicklung steckt nicht eine ganze Generation. Oft sind es kleine Gruppen von Intensivtätern, die immer wieder zuschlagen. Das österreichische Innenministerium spricht von wenigen Dutzend besonders aktiven Jugendlichen.
Ein einzelner Täter kann Dutzende Delikte begehen. Eine kleine Gruppe kann ein Einkaufszentrum, einen Bahnhof oder ein ganzes Viertel über Monate in Angst versetzen. So stecken zuweilen hinter viele Taten nur wenige Täter.
Das macht das Problem nicht kleiner. Im Gegenteil: Es zeigt, wie lange der Staat solche Karrieren laufen lässt.
In Deutschland ging die Gewaltkriminalität 2025 um 2,3 Prozent zurück. Das klingt zunächst beruhigend. Doch das Niveau blieb deutlich über jenem vor der Corona-Zeit.
Besonders heikel: Gruppenvergewaltigungen
Besonders brisant ist die Entwicklung bei Vergewaltigungen. Deutschland registrierte 2025 neun Prozent mehr Fälle. Seit 2018 stieg die Zahl der polizeilich erfassten Fälle um rund 72 Prozent. 98,6 Prozent der Tatverdächtigen waren männlich. 38,5 Prozent hatten keine deutsche Staatsangehörigkeit.
Allerdings kamen die meisten Täter aus dem persönlichen Umfeld der Opfer. Der fremde Angreifer im Park bildet also nur einen Teil der sexuellen Gewalt ab.
Anders sieht die Zusammensetzung bei Gruppenvergewaltigungen aus. 2025 registrierte die Polizei 751 solcher Taten. 53 Prozent der Tatverdächtigen waren keine deutschen Staatsbürger. Die häufigsten Staatsangehörigkeiten unter den Zuwanderern waren Syrien mit 110, Afghanistan mit 64, Irak mit 46 und die Türkei mit 44 Tatverdächtigen. Diese Überrepräsentation einzelner Gruppen ist deutlich.
Killer mit 14
Ein weiterer Tätertyp wächst im europäischen Drogenmilieu heran. In Marseille wurde 2024 ein 15-Jähriger von einer Drogenbande angeworben. Rivalen stachen rund 50-mal auf ihn ein und verbrannten ihn anschließend bei lebendigem Leib.
Kurz darauf soll ein 14-Jähriger für 50.000 Euro einen Mordauftrag angenommen haben. Als ein Taxifahrer nicht auf ihn warten wollte, schoss der Jugendliche ihm in den Hinterkopf. Das Opfer hatte mit dem Drogenkrieg nichts zu tun.
Das Smartphone hat die Rekrutierung verändert. Banden müssen Jugendliche nicht mehr persönlich kennen. Sie werben sie über soziale Netzwerke an, versprechen Geld und schicken sie zum Töten. Die Minderjährigen sind billig, leicht zu beeinflussen und für die Hintermänner austauschbar.
Vier Gesichter derselben Gefahr
Der neue Tätertyp erscheint in unterschiedlichen Formen. Da ist der radikalisierte Einzeltäter. Er braucht keine Terrorzelle. Propagandavideos, ein Chatkanal und ein Messer genügen. Villach und Solingen stehen dafür.
Da ist der psychisch auffällige und längst bekannte Täter. Behörden kennen seine Vorgeschichte, können ihn aber nicht dauerhaft aus dem Verkehr ziehen. Aschaffenburg wurde zum Sinnbild dieses Versagens.
Da ist der jugendliche Gruppen- und Intensivtäter. Er schlägt, raubt und demütigt gemeinsam mit seiner Clique. Seine Strafunmündigkeit und sein junges Alter schützen ihn lange vor spürbaren Konsequenzen.
Schließlich ist da der minderjährige Nachwuchskiller. Drogenbanden werben ihn im Internet an und behandeln ihn wie Wegwerfmaterial.
Es handelt sich nicht um identische Menschen. Doch der Kern ist ähnlich: jung, männlich, instabil und kaum in die Gesellschaft eingebunden.
Europa schaut zu – die Täter schlagen zu
Messerangriffe, Jugendbanden und Vergewaltigungen gab es schon früher. Doch heute ballt sich die Gewalt in einer auffälligen Tätergruppe: sehr junge Männer aus instabilen Zuwanderungsmilieus, oft ohne Arbeit, ohne festen Halt und manchmal ohne gesicherten Aufenthalt.
Die einen suchen Macht in der Clique. Die anderen schnelles Geld im Drogenmilieu. Wieder andere finden ihren Halt im Islamismus.
Es ist nur eine kleine Minderheit. Doch sie schlägt immer wieder zu, hinterlässt immer neue Opfer und versetzt ganze Städte in Angst.
Europa hat ein wachsendes Problem mit jungen männlichen Intensivtätern. Bei ihnen treffen gescheiterte Integration, instabile Lebensverhältnisse, Gewalt, radikale Ideologien und jahrelanges Behördenversagen aufeinander. Die Warnzeichen sind längst sichtbar. Die Opferzahlen steigen. Nur eine überzeugende Antwort hat die Politik bis heute nicht.

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