„Mir bleibt ja nichts anderes mehr übrig“, sagt der 74-Jährige verzweifelt. Auf seinem Hof in Ferndorf oberhalb des Millstätter Sees leben 14 Milchkühe. Bis zu 400 Liter Milch produzieren sie täglich. Die Tiere sind jedoch ganzjährig im Stall an der Kette angebunden – eine Haltungsform, die in Österreich aus Gründen des Tierwohls längst nicht mehr zulässig ist.

Für ältere Stallanlagen gibt es zwar Übergangsregelungen. Voraussetzung ist allerdings die sogenannte Kombinationshaltung: Die Tiere müssen an mindestens 90 Tagen im Jahr freien Auslauf oder Weidegang erhalten.

Diese Vorgaben erfüllt der Betrieb derzeit nicht, berichtet die Krone.

Lieferstopp trifft den Bauern mit voller Wucht

Seit dem 1. Juli holt die Kärntner Milch die Rohmilch des Landwirts nicht mehr ab. Nicht wegen mangelhafter Qualität, sondern weil die Vorgaben des AMA-Gütesiegels nicht eingehalten werden.

Seit Anfang 2024 erhalten Milch und Fleisch aus dauernder Anbindehaltung kein AMA-Gütesiegel mehr. Ohne diese Voraussetzungen ist eine Vermarktung über die Molkereien praktisch ausgeschlossen. Für Otto Hipp ist die Situation existenzbedrohend. Einen modernen Laufstall zu errichten, könne er sich schlicht nicht leisten.

„Die Kosten liegen bei 400.000 Euro oder mehr. Das ist für mich finanziell nicht machbar“, sagt der Kärntner.

Auch die örtlichen Gegebenheiten machen einen Umbau schwierig. Es fehle schlicht an Platz, um den Kühen regelmäßigen Auslauf zu ermöglichen.

Jetzt verschenkt er seine Milch

Während der vorerst dreiwöchigen Sperre sucht der Bauer nach einer ungewöhnlichen Lösung. Anstatt die wertvolle Milch wegzuschütten, möchte er sie kostenlos abgeben.

„Wer möchte, kann sich die Rohmilch bei mir abholen“, appelliert Hipp an die Bevölkerung.

Sollte er keine Möglichkeit finden, die Haltung seiner Tiere an die Vorschriften anzupassen, könnte der Lieferstopp jedoch dauerhaft bestehen bleiben. Die Kärntner Milch sieht keinen Spielraum. Geschäftsführer Helmut Petschar betont, dass sich die Molkerei strikt an die gesetzlichen Vorgaben halten müsse.

Wer die Richtlinien des AMA-Gütesiegels nicht erfülle, dessen Milch dürfe nicht übernommen werden.

Tierexpertin zeigt kein Verständnis

Für Tierexpertin Maggie Entenfellner kommt die Aufregung zu spät.

Sie verweist darauf, dass die entsprechenden Vorschriften bereits seit 2005 gelten und Betriebe somit mehr als zwei Jahrzehnte Zeit gehabt hätten, ihre Stallungen anzupassen. Auch die AMA macht deutlich: Werden Mängel behoben und die gesetzlichen Vorgaben erfüllt, kann der Betrieb erneut kontrolliert werden.

Fällt diese Überprüfung positiv aus, ist eine Wiederaufnahme der Milchlieferungen möglich.

Bis dahin bleibt dem Kärntner Bauern jedoch nur ein bitterer Alltag – und täglich Hunderte Liter hochwertiger Milch, die nicht verkauft werden dürfen.