Nach iranischen Medienberichten könnte genau diese Geldfrage zum entscheidenden Knackpunkt der Gespräche werden. Seit Wochen verhandeln Vertreter der USA und des Iran über eine Verlängerung der seit April geltenden Waffenruhe sowie über weitere politische Vereinbarungen. Eine Einigung schien zuletzt greifbar.

12 Milliarden Dollar als Bedingung

Doch laut Berichten soll Donald Trump kurzfristig Änderungen an einem bereits ausgearbeiteten Entwurf verlangt haben. Vor allem beim Umgang mit iranischen Uranbeständen soll es noch offene Fragen geben. In Teheran liegt der Fokus offenbar woanders: Iranische Medien berichten übereinstimmend, dass die Freigabe eingefrorener Vermögenswerte Voraussetzung für weitere Fortschritte sei.

Mehr als 100 Milliarden Dollar blockiert

Nach Schätzungen lagern weltweit über 100 Milliarden US-Dollar an iranischen Geldern auf gesperrten Konten. Die Vermögen wurden im Zuge internationaler Sanktionen eingefroren. Aus Sicht der iranischen Führung ist die Freigabe dieser Gelder angesichts der schweren Wirtschaftskrise von zentraler Bedeutung. Parlamentsvertreter sprechen von einer ersten Tranche von 12 Milliarden Dollar, die unmittelbar nach einer vorläufigen Einigung freigegeben werden soll. Insgesamt gehe es sogar um mindestens 24 Milliarden Dollar.

Wirtschaft unter massivem Druck

Für die Regierung von Präsident Masoud Pezeshkian kommt die Debatte zu einem kritischen Zeitpunkt. Die wirtschaftliche Lage im Iran hat sich in den vergangenen Jahren dramatisch verschlechtert. Hohe Inflation, steigende Lebensmittelpreise und sinkende Kaufkraft setzen große Teile der Bevölkerung unter Druck. Iranische Medien berichten inzwischen von Familien, die bereits zur Monatsmitte kein Geld mehr haben und Grundnahrungsmittel auf Kredit kaufen müssen. Fleisch, Fisch oder Reis seien für viele Haushalte kaum noch leistbar.

Trump bleibt hart

Von amerikanischer Seite gibt es bislang keine Zusage für eine Freigabe der Milliarden.Trump machte zuletzt deutlich, dass über Sanktionserleichterungen oder Geldtransfers derzeit nicht gesprochen werde. Die USA hätten die Kontrolle über die Vermögenswerte und würden erst dann über eine Freigabe nachdenken, wenn sich der Iran entsprechend verhalten. Scharfe Kritik kommt auch von John Bolton, einem früheren Weggefährten Trumps. Er warnt davor, dass freigegebene Gelder letztlich der iranischen Führung und der mächtigen Revolutionsgarde zugutekommen könnten. Damit würden nach seiner Ansicht militärische Programme und regionale Einflussnetzwerke gestärkt.

Neue Spannungen auf See

Während diplomatisch weiter verhandelt wird, bleibt die Lage im Persischen Golf angespannt. Nach Angaben des US-Militärs wurde ein Schiff im Golf von Oman gestoppt und beschossen, nachdem es Warnungen ignoriert und sich einem iranischen Hafen genähert haben soll. Das Schiff wurde laut US-Angaben manövrierunfähig gemacht. Die Maßnahme steht im Zusammenhang mit den amerikanischen Bemühungen, den wirtschaftlichen Druck auf den Iran durch Einschränkungen des Seehandels und der Ölexporte aufrechtzuerhalten. Ob es tatsächlich zu einer Einigung kommt, dürfte nun vor allem von der Geldfrage abhängen. Während Washington auf Zugeständnisse pocht, macht Teheran deutlich, dass ohne die Freigabe eingefrorener Milliarden keine weiteren Verhandlungen stattfinden sollen. Damit wird aus den laufenden Gesprächen zunehmend ein milliardenschwerer Machtpoker zwischen Iran und den USA.