Kennengelernt hatten sich der Angeklagte und die Mutter des betroffenen Mädchens vor rund 15 Jahren beim Dartspielen. Aus der Bekanntschaft entwickelte sich eine enge Freundschaft. Man unterstützte sich gegenseitig im Alltag, half einander finanziell und vertraute aufeinander. Vor Gericht schilderte die Mutter, wie eng das Verhältnis über die Jahre geworden war. Während sie dem Mann in schwierigen Zeiten finanziell unter die Arme griff, half er ihr bei der Betreuung ihrer Kinder. Gerade dieses Vertrauen macht den Fall besonders erschütternd: Der Mann, dem sie über Jahre hinweg ihre beiden Töchter anvertraut hatte, missbrauchte laut Gericht ihre damals siebenjährige Tochter.

Schwere Vorwürfe bestätigt

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der 47-Jährige seine Vertrauensstellung gegenüber dem Kind ausnutzte. Er wurde deshalb wegen sexuellen Missbrauchs von Unmündigen, geschlechtlicher Nötigung sowie des Missbrauchs eines Autoritätsverhältnisses schuldig gesprochen.

Mit dem rechtskräftigen Urteil fand das Strafverfahren seinen Abschluss. Für die betroffene Familie bleiben die Folgen der Taten jedoch weiterhin eine schwere Belastung.

Fotos auf Kamera sorgen für zusätzliche Vorwürfe

Neben den Missbrauchsvorwürfen stand auch der Verdacht im Raum, dass der Angeklagte Fotos des Mädchens in Unterwäsche beziehungsweise im Bikini angefertigt haben soll. Vor Gericht erklärte der 47-Jährige, er könne sich daran nicht erinnern.

Als Begründung verwies er auf seine Epilepsie. „Ich habe Epilepsie, da vergesse ich Sachen. Als ich die Fotos auf meiner Kamera gesehen habe, habe ich sie sofort gelöscht“, sagte der Mann vor dem Schöffengericht. Die mutmaßlichen Übergriffe sollen sich zwischen 2022 und 2024 ereignet haben. Der Angeklagte bekannte sich zu den Vorwürfen nicht schuldig.

Während der Verhandlung schilderte die Mutter der betroffenen Mädchen als Zeugin die dramatischen Folgen für ihre Familie. Dabei fiel auf, dass der Beschuldigte ihr während ihrer Aussage kaum in die Augen sehen konnte.

Tochter brach ihr Schweigen nach Monaten

Laut der Mutter dauerte es mehrere Monate, bis sich ihre damals siebenjährige Tochter ihr anvertraute. Das Mädchen habe berichtet, dass ihr ausdrücklich untersagt worden sei, mit ihrer Mutter über die Vorfälle zu sprechen. Erst nach und nach habe das Kind von den belastenden Erlebnissen erzählt. Die Schilderungen hätten die Mutter zutiefst erschüttert. „Das kann eine Siebenjährige alles gar nicht wissen“, sagte sie unter Tränen vor Gericht und machte damit deutlich, warum sie den Aussagen ihrer Tochter Glauben schenkte.

Belastende Nachricht an die Mutter

Nachdem ihre Tochter von den Vorfällen berichtet hatte, konfrontierte die Mutter den Angeklagten über WhatsApp mit den Anschuldigungen. Die Antwort des 47-Jährigen wurde im Verfahren thematisiert. „Es tut mir leid, ich fühle mich eh schlecht deswegen“, soll er damals geschrieben haben. Diese Nachricht wurde im Prozess als weiteres belastendes Indiz behandelt.

Mädchen wird bis heute psychologisch betreut

Nachdem sich die Vorwürfe konkretisiert hatten, erstattete die Mutter Anzeige. Die damals siebenjährige Betroffene wurde in weiterer Folge von den Ermittlungsbehörden einvernommen. Ihre Aussagen spielten im Prozess eine zentrale Rolle und wurden vor Gericht unter Ausschluss der Öffentlichkeit verlesen, um das Kind zu schützen. Die Folgen der mutmaßlichen Übergriffe sind für das Mädchen bis heute spürbar. Die mittlerweile Neunjährige befindet sich seit den Vorfällen in psychologischer Betreuung. Nach Angaben ihrer Mutter spricht sie über die Geschehnisse nicht mehr.

Für die Familie steht damit fest, dass die juristische Aufarbeitung zwar abgeschlossen ist, die emotionalen Folgen der Taten jedoch noch lange nachwirken werden.