Ein Raubüberfall unter Kindern beschäftigt das Klagenfurter Landesgericht: Ein 15-Jähriger bedrohte zwei jüngere Buben mit einer täuschend echt aussehenden Softair-Pistole, um ihnen ihre Fahrräder abzunehmen. Für die Opfer ist das Geschehene bis heute nicht verarbeitet – eines der Kinder leidet noch immer unter Albträumen.
Vor Saal 29 des Klagenfurter Landesgerichts wartet eine Schulklasse auf den Beginn der Verhandlung. In jenem Saal, in dem erst vor wenigen Tagen der Attentäter von Villach zu lebenslanger Haft verurteilt wurde, steht nun ein Jugendlicher vor Gericht. Der 15-Jährige soll am Gösselsdorfer See zwei jüngere Buben überfallen haben. Um seine Forderungen zu untermauern, zog er eine Softair-Pistole, die von einer echten Schusswaffe kaum zu unterscheiden war, berichtet die Kronenzeitung.
Schwierige Kindheit und fehlende Perspektiven
„Jung, dumm und blöd“, beschreibt Verteidiger Markus Steinacher das Verhalten seines Mandanten. Für Richter Dietmar Wassertheurer greift diese Erklärung jedoch zu kurz. Im Laufe der Verhandlung zeichnet sich das Bild eines Jugendlichen, der bereits früh mit schwierigen Lebensumständen konfrontiert war. Der Angeklagte wuchs zunächst im SOS-Kinderdorf Moosburg auf, später in einer betreuten Wohngemeinschaft. Kontakt zu seinen leiblichen Eltern besteht nicht. Hinzu kommt die Diagnose einer hyperkinetischen Störung des Sozialverhaltens, die seinen schulischen und beruflichen Werdegang zusätzlich erschwert. Über dem Leben des Jugendlichen scheint ein Schatten aus Perspektivlosigkeit zu liegen.
„Ich wollte vor den Mädchen cool sein“
Warum er die Tat begangen habe, könne er selbst kaum erklären. „Ich habe mir nichts dabei gedacht. Ich wollte cool sein“, sagt der 15-Jährige vor Gericht. Besonders vor zwei Mädchen habe er Eindruck machen wollen. Diese hätten die Situation beobachtet und ihn zusätzlich angestachelt. Während eines der Mädchen mit 13 Jahren noch nicht strafmündig ist, sitzt eine 20-jährige Mitangeklagte wegen des Verdachts der Beitragstäterschaft ebenfalls auf der Anklagebank. Auch ihre Lebenssituation wirkt schwierig: keine abgeschlossene Ausbildung, keine feste Beschäftigung und Schulden bei der Österreichischen Gesundheitskasse. Sie beteuert, bei dem Vorfall nichts hätte verhindern können. Alles sei lediglich als „Spaß“ gedacht gewesen.
Opfer schildert dramatische Minuten
Wie bedrohlich die Situation tatsächlich war, zeigt die Aussage eines der Opfer. Der Bub war gemeinsam mit einem Freund zum Angeln an den See gefahren, als der Jugendliche plötzlich vor ihm stand und ihn mit der vermeintlichen Waffe bedrohte. Laut Anklage soll dabei sogar die Drohung gefallen sein: „Ich schieß dich ab.“ Der Junge schildert die Situation erstaunlich gefasst: „Ich dachte, die Waffe war echt. Als er meinte, er erschießt mich, sagte ich, dann hat er noch mehr Probleme.“ Mit seiner ruhigen und schlagfertigen Aussage beeindruckt der junge Zeuge den Gerichtssaal.
Die Folgen reichen weit über den Tattag hinaus
Doch hinter der souveränen Fassade zeigen sich die tatsächlichen Folgen der Tat. Der Vater des Buben berichtet, dass sein Sohn seit dem Überfall unter Albträumen leidet. Er schrecke nachts auf und habe Angst, allein unterwegs zu sein. „Er traut sich nicht mehr alleine vom Fischen am See heim. Ich muss ihn immer abholen“, schildert der Vater die Veränderungen im Alltag seines Sohnes. Richter Wassertheurer empfiehlt der Familie ausdrücklich, professionelle Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Gleichzeitig wirft der Fall Fragen zum Opferschutz auf. Offenbar wurde den betroffenen Familien bislang weder psychologische Hilfe aktiv angeboten noch ausreichend erklärt, welche rechtlichen Ansprüche ihnen zustehen könnten. Auch über mögliche Schadenersatzforderungen fühlte sich der Vater nach eigenen Angaben nicht ausreichend informiert. Der Fall zeigt damit nicht nur die schwierigen Lebensrealitäten junger Straftäter, sondern auch Schwachstellen im Umgang mit den Opfern. Während vor Gericht über Schuld und Verantwortung verhandelt wird, kämpfen die betroffenen Kinder noch immer mit den Folgen eines Erlebnisses, das sie wohl nicht so schnell vergessen werden.

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