Der Mord an dem 18-jährigen Briten Henry Nowak bewegt ganz Großbritannien – österreichische Medien zeigen sich verhalten, besonders der ORF. Als er schließlich berichtete, stand nicht das Opfer im Mittelpunkt, sondern die „rechtsradikalen” Proteste. Dass es in Großbritannien eine „bewussten Benachteiligung weißer Briten durch die Polizei“ gebe, verneint der Sender.
In Großbritannien und den sozialen Netzwerken ist die Wut und Empörung groß: Anfang Juni wurde bekannt, dass der 18-jährige Student Henry Nowak nicht nur Opfer eines schrecklichen Messermordes war, sondern auch einer Polizei, die rassistisch handelte. Die Beamten glaubten, so ist es dem veröffentlichten Bodycam-Video zu entnehmen, den Lügen des 23-jährigen Sikh-Täters, der sagte, der von ihm erstochene Nowak habe ihn rassistisch beleidigt und ihm den Turban vom Kopf gezogen (der
Der Fall Henry Nowak Wenn Linke Toleranz Toetet__trashed
berichtete).
Der Messermann wurde am Dienstag wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Auch seine Mutter wurde wegen Beihilfe verurteilt. Sie versteckte die Tatwaffe, ein zeremonielles Sikh-Messer, im Haus der Familie.
Keine internationalen Proteste und Kniefälle wie bei Floyd
Der Fall erinnert an die Causa „George Floyd“ im Mai 2020. Der Tod des unter Drogen stehenden und vorbestraften Afroamerikaners durch einen Polizeibeamten löste weltweit die „Black Lives Matter“-Bewegung aus und führte nicht nur zu Demonstrationen, sondern auch zu Plünderungen und Autobränden. Wie Floyd, so röchelte auch Nowak „I can’t breathe“ („Ich kann nicht atmen”) mehrmals kurz vor seinem Tod. Doch für den jungen Studenten gibt es bisher international keine Proteste oder Kniefälle, obwohl die Polizei rassistisch gegen den Weißen vorging.
Britische Gesellschaft ist aufgewühlt
Die britische Gesellschaft ist nach dem tragischen Vorfall wütend. Noch am Dienstagabend kam es zu aufgeladenen Protesten bei der Polizeistation Southampton. In der südenglischen Stadt fand der Mord und die Gerichtsverhandlung statt. Laut der deutschen BILD versammelten sich tausende Personen, um ihrem Entsetzen Ausdruck zu verleihen. Sie zogen durch die Stadt, vorbei an dem Haus des Täters und riefen „I can’t breathe“. Einige Randalierer bewarfen Polizisten mit Steinen, Flaschen und Mülltonnen.
„Servus TV“ berichtete bereits am Dienstag
Wie berichteten die österreichischen Medien über den Vorfall, der ganz Großbritannien bewegt?
Der Privatsender „Servus TV“ berichtete von dem Mord an Henry Nowak in ihrem Nachrichtenformat am Dienstagabend um 18 Uhr und 19:20 Uhr. Fast zwei Minuten widmeten sie dem Fall.
ORF bezweifelt Rassismus gegen Weiße
Der ORF hingegen: schweigen. Der Vorfall war weder Thema in einer „ZIB“, noch in einem anderen Format. Auch auf der ORF-Nachrichtenwebseite war bisher kein Eintrag zu finden. Lediglich im Ö1 „Mittagsjournal“ wurde am Mittwoch unter dem Titel „Krawalle nach umstrittenem Polizeieinsatz“ darüber informiert – allerdings sehr einseitig: Es wird betont, dass der „rechtsextreme“ und von den „USA finanzierte“ Tommy Robinson den Protesten beiwohnte. Seine Anhänger würden von „umgekehrtem Rassismus, einer bewussten Benachteiligung weißer Briten durch die Polizei“ sprechen. „Stichhaltige Belege dafür fehlen“, sagt der ORF-Sprecher.
Linke Zeitung Zeit: „Keine rechte Verschwörungstheorie“
Am Mittwochabend schaffte es der Mord schließlich doch in die „ZIB 1“. Das Hauptaugenmerk lag jedoch auf den „rechtsradikalen“ Protesten – und wie auch schon im Ö1 „Mittagsjournal“ auf Tommy Robinson. „Er spricht von umgekehrtem Rassismus, einer bewussten Benachteiligung weißer Briten durch die Polizei. Stichhaltige Belege dafür fehlen“, sagt der Sprecher.
Hier ist der ORF anscheinend nicht genügend informiert – oder verschleiert absichtlich die Wahrheit. Selbst die linksliberale deutsche Wochenzeitung Zeit schrieb in ihrem Artikel mit dem Titel „Gesetz und Agenda“: „Gleichwohl ist der Eindruck, die britische Polizei messe mit zweierlei Maß, keine rechte Verschwörungstheorie“. Dann zählt der Autor Beispiele der vergangenen Jahre auf, in denen die britische Polizei Fälle vertuschte, bei denen Personen mit Migrationshintergrund involviert waren. Die Beamten hatten Angst, als rassistisch gebrandmarkt zu werden.
Polizisten haben Angst, als Rassisten zu gelten
So etwa beim islamistischen Selbstmordanschlag auf die Manchester Arena 2017. Ein Wachmann gab später zu, den Täter Salman Abedi zwar als verdächtig wahrgenommen zu haben – aber nicht eingeschritten zu sein, weil er Angst hatte, „als Rassist gebrandmarkt zu werden“.
Ähnliches gilt für den Umgang mit den Vergewaltigungsgangs in Nordengland, wo der Verfolgungsdruck auf die mehrheitlich pakistanisch-stämmigen Täter der Schwere und dem Ausmaß der Verbrechen bei weitem nicht gerecht wurde.
Britische Polizei sei Ideologie-getrieben
Darüber hinaus schrieb die Zeit, dass die britische Polizei zunehmend ihren gesetzlichen Auftrag mit gesellschaftspolitischen Botschaften vermische – etwa durch das Tragen von Pride-Flaggen oder Polizeifahrzeuge mit Hinweisen auf den Black History Month. Besonders deutlich zeigt sich dieser Trend bei den sogenannten „nicht strafbaren Hassvorfällen”: Jahr für Jahr gehen Beamte Tausenden solcher Meldungen nach, obwohl dabei kein Gesetz gebrochen wurde. Als Grundlage reicht es bereits aus, wenn eine Äußerung aus Sicht des vermeintlichen Opfers – oder irgendeiner anderen Person – als feindselig oder vorurteilsbehaftet wahrgenommen wird.
Österreichische Medien berichten nur kurz und knapp
Der linke Standard schlägt in eine ähnliche Kerbe wie der ORF. Am Dienstagabend veröffentlicht er einen Artikel mit dem Titel „Britische Polizei verwechselte Opfer und Täter, Rechtsextreme mobilisieren“. Der österreichische Boulevard berichtete sehr wenig darüber: Krone, Heute und oe24 veröffentlichten kaum und wenn, nur knappe Artikel über den tragischen Fall.

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