In der südenglischen Hafenstadt Southampton haben am Dienstagabend massive Proteste nach dem Mord an dem 18-jährigen Henry Nowak die Straßen gefüllt. Nach Schätzungen beteiligten sich weit über 1000 Menschen an den Kundgebungen, die sich vor allem gegen das Vorgehen der Polizei richteten.

Auslöser der Wut ist der Umgang der Behörden mit dem Fall des jungen Briten. Nowak war im vergangenen Dezember auf dem Heimweg niedergestochen worden. Der Täter, Vickrum Digwa, wurde vergangene Woche von einer Jury schuldig gesprochen und am Montag zu lebenslanger Haft mit einer Mindestverbüßungsdauer von 21 Jahren verurteilt.

Besonders umstritten ist das Vorgehen der Polizei unmittelbar nach der Tat. Kritiker werfen den Beamten vor, den schwer verletzten Nowak zunächst festgenommen zu haben, nachdem ihm rassistische Äußerungen gegenüber seinem Angreifer vorgeworfen worden waren. Im Gerichtsverfahren wurde diese Darstellung jedoch laut Urteil zurückgewiesen.

Demonstrationen eskalieren

Die Demonstrationen eskalierten im Laufe des Abends. Teilnehmer bewarfen Polizeifahrzeuge mit Flaschen und anderen Gegenständen. Auch Mülltonnen, Stühle, Dosen und Leuchtraketen sollen gegen Einsatzkräfte eingesetzt worden sein. Mehrere Brände wurden gemeldet. Die Polizei setzte ihrerseits Kräfte in Schutzausrüstung ein und zog sich zeitweise zurück.

Großbritanniens Innenministerin Shabana Mahmood verurteilte die Ausschreitungen scharf. Die Familie Nowak habe dazu aufgerufen, den Tod des 18-Jährigen nicht für weitere Spannungen oder Gewalt zu missbrauchen. Wer für die Unruhen verantwortlich sei, müsse mit den Konsequenzen des Gesetzes rechnen, erklärte die Ministerin.

Die Ermittlungen zu den Vorfällen während der Proteste laufen.