Der CDU-Sicherheitspolitiker Roderich Kiesewetter sieht die Drohungen als äußerst ernstes Warnsignal. Er geht davon aus, dass das iranische Regime seit Längerem gezielte Anschläge und Tötungen im Westen – auch in Deutschland – vorbereiten könnte.

Auch Marc Henrichmann, Vorsitzender des Geheimdienst-Kontrollgremiums des Bundestags, warnt davor, die Gefahr zu unterschätzen. Nach seiner Einschätzung könnten iranische Geheimdienste auch in Europa aktiv werden und sogenannte „Wegwerfagenten“ für einzelne Terroraufträge einsetzen, berichtet die Welt-

Merz auf Todesliste des Regimes

Für besonders große Aufregung sorgt eine Grafik der iranischen Zeitung „Hamshahri“, die als Sprachrohr des Regimes gilt. Darin wurden mehrere westliche Politiker als Ziele einer angeblichen Vergeltung genannt.

Neben Bundeskanzler Friedrich Merz tauchten auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, Israels Premier Benjamin Netanjahu und US-Präsident Donald Trump auf der Liste auf. Wenig später verschwand der Beitrag allerdings wieder von der Internetseite der Zeitung.

Der stellvertretende Grünen-Fraktionschef Konstantin von Notz hält die Veröffentlichung für alles andere als Zufall. Eine derart brisante Liste werde mit großer Wahrscheinlichkeit nicht ohne Zustimmung oder sogar direkten Auftrag des iranischen Regimes veröffentlicht.

Zwar werde Merz bereits auf höchstem Niveau geschützt, dennoch stelle die Entwicklung eine neue Eskalationsstufe dar. Betroffen seien nicht nur Politiker, sondern auch jüdische Einrichtungen sowie israelische und amerikanische Interessen in Deutschland

Anschlagspläne bereits vor Gericht

Dass die Bedrohung keineswegs nur theoretisch ist, zeigt ein aktueller Fall der Bundesanwaltschaft. Erst vor wenigen Monaten wurde Anklage gegen zwei Männer erhoben, die im Auftrag der iranischen Revolutionsgarden Anschläge in Deutschland vorbereitet haben sollen.

Nach den Ermittlungen sollen sie Informationen über den Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, sowie den Präsidenten der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, Volker Beck, gesammelt haben.Auch der innenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Sebastian Fiedler, bewertet die Lage als äußerst ernst. Die aktuellen Drohungen könnten extremistische Kreise zusätzlich anheizen und potenzielle Einzeltäter zur Tat  otivieren.

Die Veröffentlichung aus Teheran sorgt damit parteiübergreifend für Besorgnis. Deutschlands Sicherheitsbehörden beobachten die Entwicklung mit höchster Aufmerksamkeit.