Laut dem israelischen Militär wurde der Angriff abgewehrt. Daraufhin wurden Gegenschläge angekündigt, die US-Präsident Donald Trump verhindern wollte.
Laut der iranischen Nachrichtenagentur Mehr waren auch in der iranischen Hauptstadt Teheran Explosionen zu hören. Zuvor schlugen laut dem israelischen TV-Sender N12 Raketentrümmer im Norden Israels ein, unter anderem nahe der Stadt Tiberias. Dabei habe eine 79-Jährige Verletzungen am Kopf erlitten, als sie in einen Schutzraum eilte. Der Unterricht in allen Schulen Israels wurde für Montag abgesagt. Der internationale Flughafen bei Tel Aviv blieb Medienberichten zufolge zunächst geöffnet.
Die Grenzübergänge in den Gazastreifen wurden hingegen geschlossen. Es handele sich um eine „Sicherheitsmaßnahme”, hieß es in einer Mitteilung der zuständigen israelischen Cogat-Behörde. Betroffen sind demnach unter anderem der Rafah-Grenzübergang zwischen dem Gazastreifen und Ägypten sowie der Warenübergang Kerem Schalom zwischen Israel und dem Gazastreifen. Die Maßnahme werde keine Auswirkungen auf die humanitäre Lage im Küstenstreifen haben, hieß es weiter in der Mitteilung. Seit Beginn der Waffenruhe im Oktober seien ausreichend Lebensmittel in das im Krieg weitgehend zerstörte Palästinensergebiet gebracht worden. Cogat werde die internationale Gemeinschaft über alle weiteren Entwicklungen informieren.
Verstöße gegen Waffenruhe
Das zentrale Militärkommando des Iran bestätigte die Raketenangriffe. In einer Erklärung, die der staatliche Rundfunk verbreitete, begründeten die iranischen Streitkräfte die Attacke mit „wiederholten Verstößen” der israelischen Armee gegen die Waffenruhe im Libanon. Teheran hatte Israel bereits mit Angriffen gedroht, um die schiitische Hisbollah-Miliz im Libanon zu unterstützen.
Als Reaktion auf die Eskalation sperrte der Iran seinen Luftraum im Westen des Landes bis auf weiteres. Der Irak und Syrien sperrten ihren gesamten Luftraum vorübergehend. Berichte, dass auch die Golfstaaten ihren Luftraum geschlossen hätten, bestätigten sich zunächst nicht. Die iranische Rothalbmondgesellschaft versetzte ihre Mitarbeiter aus Sorge vor israelischen Gegenangriffen in Alarmbereitschaft.
Raketen in Jordaniens Luftraum
Bei den jüngsten Angriffen des Irans auf Israel sind einige Raketen in den Luftraum Jordaniens eingedrungen. Dies teilte ein Sprecher der jordanischen Regierung mit. Demnach hätten mehrere Raketen bei der „erneuten Eskalation” Jordaniens Luftraum verletzt. Die jordanischen Streitkräfte beobachten die Situation genau. „Jordanien wird nicht zulassen, dass sein Gebiet oder sein Himmel in ein Schlachtfeld für Irgendwen verwandelt wird.”
Durch seine geografische Lage zwischen dem Iran und Israel geriet Jordanien schon mehrfach in die Schusslinie im Konflikt der beiden Erzfeinde. Dabei fing Jordaniens Flugabwehr mehrfach Raketen und Drohnen im eigenen Luftraum ab, um die eigene Bevölkerung zu schützen. Danach sah sich das Königreich dem Vorwurf ausgesetzt, Israel zu verteidigen.
Teheran hatte vor Angriffen Israels auf Beiruter Vororte gewarnt
Konkret reagierte der Iran mit Raketenangriffen auf neue israelische Angriffe in den Vororten der libanesischen Hauptstadt Beirut am Sonntag, obwohl eine von US-Präsident Trump verkündete Waffenruhe in Kraft war. Laut Ministerpräsident Benjamin Netanyahu und Verteidigungsminister Israel Katz habe die Armee in Beirut „Terroristen-Hauptquartiere” angegriffen, um auf den vorherigen Beschuss Israels durch die Hisbollah zu reagieren.
Die Hisbollah ist der wichtigste nichtstaatliche Verbündete des Irans. Teheran hatte zuvor gewarnt, dass weitere israelische Angriffe auf den Großraum Beirut als neuer Eskalationsschritt in der regionalen Konfrontation gewertet würden.
Seit Inkrafttreten der offiziellen Waffenruhe Mitte April hatte Israel die Angriffe im Raum Beiruts deutlich eingeschränkt. US-Präsident Trump hatte dort einen Stopp israelischer Angriffe sowie ein Ende der Angriffe der Hisbollah auf Israel verkündet. Israel drohte jedoch damit, diese Gebiete im Falle von Hisbollah-Attacken auf Israel erneut anzugreifen und drängte die Bewohner der Vororte damit erneut zur Flucht.
Iran: Luftwaffenstützpunkt in Israel attackiert
Laut eigenen Angaben zielten Irans Streitkräfte unter anderem auf den israelischen Luftwaffenstützpunkt Ramat David. In einer von der iranischen Nachrichtenagentur Tasnim verbreiteten Erklärung der Revolutionsgarden begründete die Elitestreitmacht des Landes ihre Angriffe mit der Eskalation im Libanon. Die Waffenruhe im Iran-Krieg sei unter der Prämisse ausgehandelt worden, dass der Konflikt an allen Fronten eingestellt werden müsse. Der Iran warf Israel und den USA vor, ihre Verpflichtungen verletzt zu haben.
Die nun erfolgten Angriffe bezeichneten die Revolutionsgarden als „Warnung”. Sollte der Krieg wieder voll ausbrechen, „werden die Antworten umfassender ausfallen und sämtliche amerikanisch-zionistischen Ziele in der Region einschließen”, teilten die Streitkräfte weiter mit. Laut iranischen Staatsmedien wurden ballistische Raketen aus mehreren Landesteilen abgefeuert.
Längere Verhandlungen brachten keinen Durchbruch
Am 28. Februar begannen Israel und die USA ihren Krieg gegen den Iran. In der Nacht auf den 8. April hatte der Iran zuletzt Raketen auf Israel abgefeuert. Noch am selben Tag einigten sich die USA und der Iran auf eine zunächst zweiwöchige Waffenruhe, die anschließend verlängert wurde. Trump knüpfte diese auch an die Öffnung der Straße von Hormus. Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran über eine dauerhafte Beendigung des Kriegs blieben jedoch ohne Ergebnis.
Bereits vor Beginn der Seeblockade der USA in der Straße von Hormuz gab es Warnungen vor einer Wiederaufnahme der iranischen Angriffe auf Israel. Seit Kriegsbeginn Ende Februar mit US-israelischen Angriffen auf den Iran blockierte dieser die für den weltweiten Öltransport wichtige Meerenge vor seiner Küste. Die Durchfahrt von Tankern kam quasi zum Erliegen. In der Folge stiegen die Energiepreise weltweit deutlich an, was auch Trump innenpolitisch unter Druck setzte.
Medien: Trump fordert von Israel Verzicht auf Gegenschläge
Unterdessen will US-Präsident Trump Medienberichten zufolge Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu dazu auffordern, auf Vergeltungsschläge gegen Teheran zu verzichten. Ein Reporter des Nachrichtenportals Axios berichtete auf X, Trump habe ein entsprechendes Telefonat mit Netanjahu angekündigt. Auch der israelische Sender Kan berichtete, dass Israel nach Trumps Willen nicht auf die Angriffe reagieren solle. „Israel hat genug reagiert”, sagte Trump einem Korrespondenten des Senders.
Trump dürfte weiterhin darauf hoffen, ein Rahmenabkommen mit Teheran abzuschließen. „Was ich dem Iran raten würde: Ihr habt eure Raketen abgefeuert, das reicht. Kehrt an den Verhandlungstisch zurück und schließt ein Abkommen“, sagte er laut dem US-Sender Fox News. Eine öffentliche Stellungnahme des Weißen Hauses stand zunächst aus.
Trump deutete laut Fox News an, dass die Verhandlungen mit dem Iran auf eine mögliche Einigung zusteuerten. Diese könnte „am Montag, Dienstag oder Mittwoch kommender Woche“ erzielt werden, hieß es weiter. Mit Blick auf die jüngsten israelischen Angriffe im Libanon sagte der Präsident unterdessen: „Ich bin nicht erfreut darüber.“
Expertin: Risiko mit großem Spielraum für Fehleinschätzungen
Eine Expertin sieht in den iranischen Raketenangriffen einen „kalkulierten Schachzug, um die USA zu Zugeständnissen zu bewegen und das Rahmenabkommen abzuschließen”. „Teheran weiß, dass Trump eine Wiederaufnahme des Krieges vermeiden will, doch dies war ein echtes Risiko mit großem Spielraum für Fehleinschätzungen“, schrieb die Iran-Expertin Holly Dagres auf X.

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