Der angekündigte Verkauf der Salzburger Villa von Wolfgang Porsche könnte für das historische Anwesen eine überraschende Wende bringen. Nachdem exxpress bereits über den Rückzug des Porsche-Aufsichtsratschefs und den politischen Streit um seine Tunnelpläne berichtet hatte, rückt nun die Zukunft des Gebäudes in den Mittelpunkt.
Die Universität Salzburg möchte verhindern, dass das frühere Wohnhaus von Stefan Zweig erneut dauerhaft in Privatbesitz verschwindet. Ihr Ziel ist es, die Villa am Kapuzinerberg zu erwerben, öffentlich zugänglich zu machen und zu einem Zentrum für Literatur, Forschung und Erinnerung auszubauen.
Universität könnte zunächst selbst einspringen
Der Kaufpreis für das sogenannte Paschinger Schlössl liegt bei 12,7 Millionen Euro. Nach Angaben von Universitätsrektor Bernhard Fügenschuh könnte die Universität den Ankauf zunächst selbst finanzieren und als eine Art Zwischenbesitzerin auftreten. Parallel dazu laufen Gespräche mit dem zuständigen Wissenschaftsministerium und weiteren möglichen Geldgebern.
Langfristig dürfte ein derartiges Projekt jedoch nur mit Unterstützung von Bund, Land, Stadt und privaten Förderern zu verwirklichen sein. Auch eine Petition und ein prominentes Personenkomitee setzen sich inzwischen dafür ein, das Anwesen dauerhaft für die Öffentlichkeit zu erhalten.
Aus der bisher abgeschirmten Villa könnte damit ein Museum, Veranstaltungsort und internationales Forschungszentrum werden. Lesungen, Ausstellungen, wissenschaftliche Projekte und öffentliche Diskussionen wären dort ebenso denkbar wie die Präsentation von Teilen des Zweig-Nachlasses.
Mehr als nur ein weiteres Salzburger Museum
Stefan Zweig lebte von 1919 bis 1934 in dem Haus. In diesen Jahren entwickelte er sich zu einem der international erfolgreichsten deutschsprachigen Schriftsteller. Die Villa war zugleich ein Treffpunkt für bedeutende Künstler und Intellektuelle – darunter Thomas Mann, James Joyce und Richard Strauss.
Für die Universität wäre der Ankauf daher keine völlig neue Aufgabe. Bereits 2025 wurde das Stefan Zweig Haus als gemeinsame Einrichtung des Stefan Zweig Zentrums und des Literaturarchivs gegründet. Die Institution soll Zweigs Werk erforschen, seinen Nachlass bewahren und sein geistiges Erbe öffentlich vermitteln.
Die ehemalige Villa könnte diese Arbeit um den vielleicht wichtigsten authentischen Schauplatz ergänzen: jenen Ort, an dem Zweig rund 15 Jahre lang lebte, schrieb und internationale Gäste empfing.
Verkauf folgte auf jahrelangen Tunnelstreit
Wolfgang Porsche hatte das denkmalgeschützte Anwesen 2020 erworben und wollte es als privaten Wohnsitz nutzen. Weil die bestehende Zufahrt als schwierig gilt, plante er einen rund 500 Meter langen Tunnel durch den Kapuzinerberg sowie eine unterirdische Garage.
Das rund zehn Millionen Euro teure Vorhaben hatte heftige Proteste ausgelöst. Mehr als 19.000 Menschen unterstützten eine Petition gegen das Projekt. Obwohl die zuständigen Behörden die erforderlichen Genehmigungen Ende 2025 erteilten, entschied sich Porsche schließlich gegen die Umsetzung und bot die Villa für 12,7 Millionen Euro zum Verkauf an.
Die Salzburger FPÖ machte für seinen Rückzug eine von Grünen, KPÖ und SPÖ beförderte „Neiddebatte“ verantwortlich und sprach von einem wirtschaftlichen und kulturellen Verlust für die Stadt.
Die bereits genehmigte Tunnelanlage ist weiterhin Teil des Verkaufsangebots. Ein neuer Eigentümer müsste die Bewilligung allerdings bis Ende 2028 nutzen. Für ein öffentliches Zweig-Zentrum dürfte der Tunnel jedoch kaum jene Bedeutung besitzen, die er für Porsches private Nutzung hatte.
Zweig verließ Salzburg bereits 1934
Besondere Brisanz erhält die Debatte durch die Geschichte des Hauses. Zweig verließ Salzburg bereits 1934 angesichts der politischen Entwicklung und des zunehmenden Antisemitismus. Vier Jahre später verbrannten Nationalsozialisten seine Bücher öffentlich in der Stadt.
Ein öffentlich zugänglicher Erinnerungsort in seinem früheren Wohnhaus wäre deshalb mehr als ein gewöhnliches Kulturprojekt. Salzburg könnte damit einem vertriebenen jüdischen Schriftsteller symbolisch jenen Platz zurückgeben, den er in seiner einstigen Wahlheimat verlor.
Ob der Ankauf gelingt, hängt nun vor allem von der Finanzierung und den Gesprächen mit der öffentlichen Hand ab. Die Gelegenheit dürfte jedenfalls zeitlich begrenzt sein: Findet sich ein privater Käufer, könnte das geschichtsträchtige Anwesen erneut für Jahrzehnte hinter verschlossenen Türen verschwinden.

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