Die FIFA solle aufklären, ob Infantino an der Entscheidung beteiligt gewesen sei, die Sperre nach der Roten Karte gegen US-Fußballer Folarin Balogun aufzuheben – und ob Druck der US-Regierung dabei eine Rolle gespielt habe.

“Eine rote Linie wurde überschritten”, teilte der dänische sozialdemokratische EU-Parlamentarier Niels Fuglsang mit, der zu den drei Initiatoren des Briefes gehört. “Fußball sollte Menschen zusammenbringen und nicht als eine Plattform für politische Begünstigung dienen. Wenn der FIFA-Präsident die Grenzen zwischen Sport und Politik verwischt, wird die Integrität des Spiels dadurch riskiert.”

Die Frist für Abgeordnete, den Brief zu unterzeichnen, soll am Mittwochabend auslaufen. Aus den Parlamentsbüros hieß es wenige Stunden vor Ablauf, dass es mehr als 55 Unterschriften gebe. In dem Schreiben betonen die EU-Parlamentarier, dass die Fußballverbände nach ihrem Verständnis des Ethik-Kodex der FIFA verpflichtet seien, Funktionäre zur Verantwortung zu ziehen, wenn es Beweise gebe, dass diese die Regel politischer Neutralität brächen. Der Entscheidungsprozess zur Aufhebung der Sperre gegen den US-Stürmer müsse überprüft werden.

Transparenz gefordert

Reinhold Lopatka, ÖVP-Delegationsleiter im Europaparlament, kündigte gegenüber der APA an, den Brief zu unterschreiben. “Entscheidungen am Spielfeld sind zu akzeptieren – von Spielern, Verbänden und erst recht von der FIFA-Spitze selbst. Politische Neutralität ist keine Empfehlung, sondern steht ausdrücklich in den FIFA-Statuten. Sport darf niemals zum Spielball der Politik werden, deshalb sind jetzt auch die nationalen Verbände gefordert, auf volle Transparenz zu drängen.”

SPÖ-EU-Abgeordneter und sportpolitischer Sprecher Hannes Heide gehört zu den Unterzeichnern des Briefes. “Eine Weltmeisterschaft soll die Welt im Geist des Fußballs zusammenbringen. Wenn Regeln aber offenbar zugunsten eines Gastgeberlandes zurechtgebogen werden, spaltet das und beschädigt das Vertrauen in den Sport. Die FIFA muss jetzt lückenlos offenlegen, wie diese Entscheidung zustande gekommen ist und welche Rolle Gianni Infantinodabei gespielt hat”, erklärte Heide. “Die UEFA bringt es auf den Punkt: Wer die Verlässlichkeit der Regeln infrage stellt, gefährdet die Integrität des Fußballs.”

Auch ÖFB-Aufsichtsratschef Josef Pröll forderte Aufklärung. “Die kolportierten Vorgänge vermitteln zum jetzigen Zeitpunkt ein äußerst bedenkliches Bild und gefährden das Vertrauen in unseren Sport. Jetzt ist die FIFA gefordert, im Sinne des Fußballs die Entscheidung der Gremien und den gesamten Entstehungsprozess lückenlos und transparent offenzulegen”, hatte Pröll der APA bereits zu einem früheren Zeitpunkt mitgeteilt.

Trump rief nach Sperre gegen US-Spieler bei FIFA an

Balogun war beim 2:0-Erfolg im Sechzehntelfinale gegen Bosnien-Herzegowina mit Rot vom Platz geflogen und damit für die Achtelfinalpartie gegen Belgien gesperrt worden. Die FIFA hob die Sperre aber überraschend auf.

Trump hatte zuvor nach eigenen Angaben mit einem Anruf bei der FIFA um eine Überprüfung der Sperre gebeten, was für große Kritik gesorgt hatte. Balogun stand gegen Belgien zwar in der Startelf des WM-Mitgastgebers, spielte in dem Duell aber keine große Rolle.