ORFIII-Geschäftsführer Peter Schöber hat laut internen Informationen eine Klage eingebracht und zusätzlich eine einstweilige Verfügung beantragt. Ziel laut Oe24: Die Weitergabe eines Compliance-Berichts an den ORF-Stiftungsrat stoppen. Für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk ist das ein Novum – ein leitender Mitarbeiter geht juristisch gegen die eigene Organisation vor.

Schwere Vorwürfe im Raum

Der Hintergrund des Berichts hat es in sich: Rund 50 aktuelle und ehemalige Mitarbeiter sollen im Zuge einer Untersuchung ausgesagt haben, berichtet Oe24. Die Vorwürfe reichen von Mobbing über ein problematisches Führungsverhalten bis hin zu politischer Einflussnahme. Für Schöber gilt die Unschuldsvermutung.

Trotz dieser Anschuldigungen bleibt der ORFIII-Chef im Amt – und zählt mit einem Jahresgehalt von über 300.000 Euro weiterhin zu den Spitzenverdienern im Haus.

ORF-Spitze unter Druck

Besonders heikel: Sollte das Gericht der einstweiligen Verfügung stattgeben, könnte der Bericht vorerst unter Verschluss bleiben. ORF-Generaldirektorin Ingrid Thurnher warnt intern, dass ihr in diesem Fall untersagt werden könnte, den Bericht weiterzugeben: „Würde die EV jedoch erlassen werden, besteht die Möglichkeit, dass mir bis zur Klärung im ordentlichen Verfahren untersagt würde, den genannten Bericht dem Stiftungsrat zugänglich zu machen oder offen zu legen.“

Damit würde auch die Kritik an der internen Aufarbeitung, wie sie von Thurnher zuvor angekündigt wurde, lauter werden.