Noch bevor seine Air Force One in Ankara landete, sorgte Donald Trump mit einem Beitrag auf seiner Plattform Truth Social für Aufsehen. Darin warf er den NATO-Partnern mangelnde Unterstützung vor und kritisierte insbesondere ihre Haltung im Konflikt mit dem Iran.
„Sie waren nicht für uns da“, schrieb Trump und stellte die gegenseitige Verpflichtung innerhalb des Bündnisses offen infrage. Er deutete erneut an, dass die Vereinigten Staaten ihre Rolle innerhalb der NATO überdenken könnten, sollten die europäischen Staaten aus seiner Sicht nicht mehr Verantwortung übernehmen.
Europa will Verteidigungsausgaben deutlich erhöhen
Trotz der angespannten Stimmung reisen die europäischen Staats- und Regierungschefs mit einem klaren Ziel nach Ankara: Sie wollen beweisen, dass Europa künftig einen wesentlich größeren Anteil an den Verteidigungslasten übernimmt.
Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine sowie Trumps jahrelanger Druck haben bereits zu einem historischen Anstieg der Militärausgaben geführt. Inzwischen erfüllen 17 der 32 NATO-Mitglieder das Zwei-Prozent-Ziel beim Verteidigungsbudget. Länder wie Polen, Litauen und Lettland investieren sogar rund 3,5 Prozent ihrer Wirtschaftsleistung in ihre Streitkräfte.
Dennoch reicht das Trump nicht. Aus seiner Sicht investieren die europäischen Partner weiterhin zu wenig und verlassen sich zu stark auf die militärische Stärke der USA.
Milliarden für neue Waffen – doch die Industrie stößt an Grenzen
Mit den steigenden Verteidigungsbudgets wächst allerdings auch der Druck auf die europäische Rüstungsindustrie. Viele Hersteller arbeiten bereits am Limit.
Die Produktion moderner Waffensysteme wird durch volle Auftragsbücher, fehlende Produktionskapazitäten und Lieferengpässe erschwert. Gleichzeitig müssen zahlreiche Staaten nicht nur die Ukraine unterstützen, sondern auch ihre eigenen Lagerbestände wieder auffüllen.
NATO-Generalsekretär Mark Rutte betonte deshalb vor dem Gipfel, dass es nicht allein um höhere Ausgaben gehe. Entscheidend sei vielmehr, welche militärischen Fähigkeiten tatsächlich geschaffen werden und wie gut die unterschiedlichen Systeme der Bündnispartner miteinander zusammenarbeiten.
Europa setzt verstärkt auf eigene Technologien
Parallel zur militärischen Aufrüstung versuchen viele europäische Staaten, sich technologisch unabhängiger von den USA aufzustellen.
Behörden in mehreren Ländern ersetzen zunehmend amerikanische Softwarelösungen durch europäische Alternativen oder Open-Source-Systeme. Ziel ist es, sich weniger abhängig von US-Technologiekonzernen zu machen – ein Kurs, der in Washington wiederum kritisch gesehen wird.
Diese Entwicklung gilt als Teil einer schrittweisen „Ent-Amerikanisierung“, die durch Trumps wiederholte Drohungen zusätzlichen Auftrieb erhalten hat.
Experten rechnen erneut mit Trump im Mittelpunkt
Sicherheitsexperten erwarten keine großen strategischen Durchbrüche bei dem Treffen in Ankara. Statt langfristiger Beschlüsse zur Russland-Politik oder zur zukünftigen Ausrichtung des Bündnisses dürfte erneut Donald Trump die Schlagzeilen bestimmen.
Viele Beobachter gehen davon aus, dass der US-Präsident seine europäischen Partner erneut wegen ihrer Verteidigungsausgaben kritisieren und gleichzeitig mehr Käufe amerikanischer Rüstungsgüter fordern wird.
Der Gipfel in Ankara könnte damit zu einem weiteren Belastungstest für das westliche Verteidigungsbündnis werden. Während Europa seine militärischen Investitionen so stark erhöht wie seit Jahrzehnten nicht mehr, bleibt offen, ob dies ausreicht, um Trumps Forderungen zu erfüllen.
Fest steht: Die europäischen NATO-Staaten wollen künftig mehr Verantwortung übernehmen. Ob das genügt, um die Spannungen mit Washington zu entschärfen, dürfte sich in den kommenden Tagen zeigen.

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