Die innerparteiliche Krise der Pinken nimmt damit weiter an Fahrt auf. Routil spart in seinem Abschiedsbrief nicht mit Kritik. Von der einst groß angekündigten Reformpartei sei kaum noch etwas zu erkennen.
„Von der ständig selbst bejubelten Reformkraft bleibt kaum was übrig“, schreibt der Mediziner laut einem Bericht der Kleinen Zeitung.
Dengler holte ihn zu den NEOS
Erst 2024 war Wolfgang Routil den NEOS beigetreten – auf Initiative von Parteimitgründer Veit Dengler.
Dieser habe ihn damals überzeugt, sich politisch zu engagieren, um „das starre System der Altparteien zu überwinden“. Als Sprecher der Initiative „NEOS plus“ wollte Routil vor allem Reformen im Gesundheitswesen, beim Pensionssystem und am Arbeitsmarkt vorantreiben.
Doch daraus wurde aus seiner Sicht nichts. Besonders enttäuscht zeigt sich Routil über die aus seiner Sicht ausbleibenden Reformen im Gesundheitsbereich.
Nach Jahren des Wartens habe es weder ernsthafte Diskussionen noch konkrete Fortschritte gegeben. Sein ausgearbeitetes Positionspapier sei, wie er schreibt, „nicht einmal ignoriert“ worden.
Auch die Haltung der Partei bei der Wehrdienstreform bezeichnet er als unverantwortlich. Das ständige „Herumeiern“ einer Regierungspartei könne er nicht nachvollziehen.
Dengler-Rauswurf brachte das Fass zum Überlaufen
Den endgültigen Ausschlag für seinen Austritt habe aber der Ausschluss von Veit Dengler gegeben.
Mit Dengler verliere die Partei „einen ihrer fähigsten Köpfe“. Visionäre und unabhängige Denker würden offenbar nicht mehr in das Bild der Parteiführung passen, kritisiert Routil.
Zum Abschied schickt der ehemalige Ärztekammerpräsident den Pinken noch eine deutliche Botschaft mit auf den Weg.
Er wünsche den NEOS „viel Glück im Club der Altparteien“.
Dengler legt nach
Auch Veit Dengler selbst meldete sich nach dem Austritt seines ehemaligen Mitstreiters zu Wort. Er bedankte sich für dessen Engagement und sprach von einem weiteren schweren Verlust für die Partei.
Mit Persönlichkeiten wie Wolfgang Routil und anderen kritischen Stimmen verliere die Partei zunehmend jene Köpfe, die einst für Reformen, offene Debatten und neue Ideen gestanden seien. Der Austritt Routils ist der nächste Rückschlag für die NEOS nach dem spektakulären Dengler-Rauswurf.
Ob damit Ruhe einkehrt, erscheint fraglich. Vielmehr wächst der Eindruck, dass der parteiinterne Konflikt längst nicht beendet ist – und die Diskussion über den Kurs der Pinken gerade erst begonnen hat.

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