Bislang reichte auf vielen Honiggläsern der Hinweis „Mischung von Honig aus EU- und Nicht-EU-Ländern“. Diese oft kritisierte Sammelbezeichnung gehört nun der Vergangenheit an. Künftig müssen Hersteller bei Honigmischungen sämtliche Herkunftsländer sowie deren jeweiligen Anteil in Prozent auf dem Etikett anführen. Die Länder sind dabei in absteigender Reihenfolge ihres Anteils am Produkt auszuweisen. Für Konsumenten wird damit auf einen Blick ersichtlich, aus welchen Regionen der Welt der Honig tatsächlich stammt.

Kampf gegen gepanschten Honig

Die neue Regelung ist eine Reaktion auf zahlreiche Lebensmittelskandale der vergangenen Jahre. Immer wieder wurden europaweit Honigprodukte entdeckt, die mit Zucker-, Reis- oder Maissirup gestreckt worden sein sollen. Untersuchungen sorgten für Aufsehen, nachdem bei vielen getesteten Produkten Auffälligkeiten festgestellt wurden. Experten warnen seit Jahren davor, dass Billigimporte und Produktfälschungen den internationalen Honigmarkt zunehmend unter Druck setzen.

Billigimporte aus China im Fokus

Besonders häufig fällt in diesem Zusammenhang China. Das Land gilt als weltweit größter Honigproduzent und liefert einen erheblichen Teil der Honigimporte in die Europäische Union. Kritiker bemängeln, dass bei internationalen Handelsketten echter Honig teilweise mit günstigeren Zuckerlösungen vermischt werde. Für Verbraucher sei dies bislang oft kaum nachvollziehbar gewesen. Genau hier soll die neue Kennzeichnungspflicht ansetzen und mehr Klarheit schaffen.

Konsumenten sollen bewusster einkaufen

Mit den neuen Angaben auf den Etiketten erhalten Käufer künftig deutlich mehr Informationen über die Zusammensetzung des Produkts. Dadurch können Verbraucher selbst entscheiden, ob sie regionale Erzeugnisse bevorzugen oder Honigmischungen aus verschiedenen Herkunftsländern kaufen möchten. Für viele Produzenten bedeutet die Neuregelung allerdings zusätzlichen Aufwand, da Mischungsverhältnisse dokumentiert und Etiketten regelmäßig angepasst werden müssen.

Vorteil für heimische Imker

Von den neuen Vorschriften könnten vor allem regionale Imkereien profitieren. Österreich produziert jährlich mehrere tausend Tonnen Honig, dennoch reicht die heimische Erzeugung nicht aus, um den gesamten Bedarf zu decken. Ein großer Teil des in Supermärkten angebotenen Honigs stammt daher aus dem Ausland. Durch die transparentere Kennzeichnung könnten Konsumenten künftig bewusster zu heimischen Produkten greifen.

Honigwaben gelten als besonders vertrauenswürdig

Als besonders hochwertig gelten in der Branche Honigwabenprodukte. Sie lassen sich nur schwer manipulieren und bieten dadurch ein hohes Maß an Nachvollziehbarkeit. Experten sehen darin eine der ursprünglichsten Formen des Honigverkaufs. Mit der neuen EU-Honigrichtlinie soll das Vertrauen der Verbraucher gestärkt und gleichzeitig der Wettbewerb für ehrliche Produzenten verbessert werden. Wer ab Mitte Juni ein Honigglas kauft, wird künftig genauer nachvollziehen können, woher der Inhalt stammt – und damit eine bewusstere Kaufentscheidung treffen können.