Es ist eine Zahl, die das Bundeskanzleramt selbst nennt: Der größte Arbeitgeber des Landes ist keine Supermarktkette und kein Industriekonzern, sondern der Staat. In seiner Publikation „Das Personal des Bundes 2025″ bezeichnet sich der Bund unmissverständlich als „größten Arbeitgeber des Landes”.

Die harte Zahl dahinter: Im Bundesdienst sind laut Bundeskanzleramt 146.903 Bedienstete tätig. Und das ist nur der Bund. Nach Daten der Statistik Austria kommen bei den neun Bundesländern rund 149.269 und bei den Gemeinden (ohne Wien) rund 87.950 Mitarbeiter dazu, dazu noch rund 100.430 in den Landeskrankenanstalten. Unter dem Strich arbeitet damit weit über eine halbe Million Menschen für die öffentliche Hand – wobei die Länder in Summe sogar mehr Personal beschäftigen als der Bund.

Polizei, Lehrer, Soldaten

Ein reiner Schreibtisch-Apparat ist der Bund nicht. Die großen Berufsgruppen sind Exekutivdienst, Bundesheer, Lehrer, Richter und Verwaltung. Der mit Abstand größte Einzelblock ist die Bildung: Allein rund 45.500 Beschäftigte entfallen laut Personalbericht auf das Ressort Bildung, Wissenschaft und Forschung.

Gehört die ÖBB dazu? Nein

Wer an die ÖBB mit ihren über 48.000 Beschäftigten denkt, liegt falsch: Die Bundesbahnen zählen in der amtlichen Statistik nicht zum Bundespersonal. Sie gelten als „Ausgliederung” – wie die Universitäten, das AMS oder die Bundesmuseen. Neu aufgenommenes Personal wird privatrechtlich angestellt, ist also ÖBB-Angestellter, kein Bundesbediensteter. Besonders brisant: Die Zurechnung ist selbst amtlich in Bewegung – „Das Personal des Bundes 2025″ nennt als Grund für Verschiebungen ausdrücklich „die Neuzurechnung der ÖBB”. Wie groß der Staat als Arbeitgeber erscheint, hängt also davon ab, wo man die Grenze zieht.

Spar und Rewe spielen in einer anderen Liga

In der Privatwirtschaft ist Spar mit fast 52.000 Mitarbeitern in Österreich (2024) die Nummer eins, knapp gefolgt von der Rewe International AG (Billa, Penny, Bipa, Adeg) mit rund 46.900. Selbst der größte Private kommt damit auf ein Drittel dessen, was der Bund allein beschäftigt.

Wie klein Österreichs Apparat international trotzdem wirkt, zeigt ein Blick nach Deutschland: Der VW-Konzern beschäftigte 2024 weltweit 679.472 Menschen – allein in Deutschland rund 293.338, also doppelt so viele wie der gesamte österreichische Bund.

Für Kritiker ist die Entwicklung ein Dauerthema: Die Zahl der Vertragsbediensteten habe sich in Wien seit 2008 mehr als verdoppelt, so eine Auswertung der Agenda Austria. Der Staat habe zudem „die Lohnführerschaft übernommen”. Der Bund selbst warnt hingegen, der simple Vergleich Privat gegen Staat könne „zu falschen Schlüssen führen” – wegen des um mehr als sieben Jahre höheren Durchschnittsalters und der anderen Qualifikationsstruktur.