In einem Gastkommentar im Nachrichtenmagazin Profil rechnet Johannes Larcher mit dem politischen und institutionellen System Österreichs ab.
Larcher kritisiert insbesondere das Proporzsystem. Spitzenpositionen würden seiner Ansicht nach zu oft nach parteipolitischen Interessen und persönlicher Loyalität vergeben. Das schade nicht nur öffentlichen Institutionen wie dem ORF, sondern auch dem Wirtschaftsstandort Österreich. In einer Zeit zunehmenden internationalen Wettbewerbs verliere das Land dadurch an Wettbewerbsfähigkeit und Dynamik.
Auch beim Thema Innovation sieht Larcher erheblichen Nachholbedarf. Unabhängige Führungspersönlichkeiten, die bestehende Strukturen hinterfragen und Veränderungen vorantreiben wollten, hätten es in Österreich besonders schwer. Er verweist dabei auf Analysen des Rats für Forschung, Wissenschaft, Innovation und Technologieentwicklung (FORWIT), die Defizite beim Innovationstransfer aufzeigen.
Warnung vor Abwanderung und wachsendem Populismus
Darüber hinaus warnt der Medienmanager vor einer zunehmenden Abwanderung internationaler Spitzenkräfte. Wer Bewerber als „nicht österreichisch genug“ einstufe oder sie wegen fehlender Netzwerke benachteilige, schrecke qualifizierte Fachkräfte ab und verhindere den Austausch mit internationalen Best Practices.
Nach Ansicht Larchers hat diese Entwicklung auch politische Folgen. Wenn Bürger den Eindruck gewönnen, dass Reformen angekündigt, bestehende Machtstrukturen aber gleichzeitig abgesichert würden, steige die Unterstützung für populistische Parteien.
Bericht über politische Kontakte vor der ORF-Wahl
Brisant ist der Zeitpunkt seiner Generalabrechnung. Wie der Standard am Montag berichtete, hatten mehrere Bewerber vor der Wahl Kontakt zur Politik gesucht. Demnach wandten sich neben Larcher auch Markus Breitenecker und Lisa Totzauer an Außenministerin Beate Meinl-Reisinger. Laut dem Bericht übermittelte Larcher der NEOS-Chefin seinen Lebenslauf per Messenger. Der Standard verweist zudem auf frühere Aussagen führender ÖVP-Politiker, wonach die Bundesregierung bei der Besetzung der ORF-Spitze eine maßgebliche Rolle spiele – obwohl die Mitglieder des ORF-Stiftungsrats laut Gesetz unabhängig und weisungsfrei entscheiden sollen.

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