Dafür haben sich die Forschenden mit Armutsbetroffenen und Experten aus Wissenschaft sowie Sozialarbeit und Organisationen wie etwa Caritas, Volkshilfe oder Diakonie auseinandergesetzt. Laut den Forschern werden Armut und soziale Probleme im ORF meist differenziert eingeordnet und nicht bloß auf Einzelschicksale reduziert. Besonders positiv hervorgehoben werden Informationssendungen sowie Beiträge der „Zeit im Bild“ auf Social Media und Formate auf Ö1. Anders sehe es bei vielen Privatsendern aus: Dort werde Armut häufig nur zu bestimmten Anlässen – etwa rund um Weihnachten – thematisiert.
Kritik an Unterhaltungsformaten
Ausgerechnet im Unterhaltungsprogramm des ORF orten die Wissenschaftler jedoch Nachholbedarf. Dort würden Menschen in Armut oft auf stereotype Rollen reduziert, während Ursachen wie hohe Wohnkosten, prekäre Jobs oder mangelnde Bildungschancen zu kurz kämen. Studienautor Andreas Schulz-Tomančok fordert deshalb, nicht nur über armutsbetroffene Menschen zu berichten, sondern sie stärker selbst zu Wort kommen zu lassen. Ihre Erfahrungen seien eine wichtige Expertise, die in vielen Redaktionen fehle. Schulz-Tomančok sieht daher eine „klassistische Erzählung” über Armut.
Mehr Vielfalt gefordert
Die Studie empfiehlt dem ORF außerdem vielfältiger besetzte Redaktionen sowie mehr Barrierefreiheit – etwa durch zusätzliche Nachrichten in einfacher Sprache oder in weiteren Sprachen. Das könne helfen, unterschiedliche Lebensrealitäten besser abzubilden und den öffentlich-rechtlichen Auftrag noch stärker zu erfüllen.

Kommentare
Lädt Kommentare...