Die Preisverleihung nutzte der 70-Jährige zugleich für politische Stellungnahmen zu Migration, Gesellschaft und Politik.

Grönemeyer wurde von der Deutschen Nationalstiftung mit dem Deutschen Nationalpreis 2026 ausgezeichnet. Die Stiftung würdigte dabei nicht nur sein künstlerisches Schaffen, sondern ausdrücklich auch sein gesellschaftspolitisches Engagement.

In seiner Dankesrede griff der Musiker mehrere politische Themen auf. Mit Blick auf das Jahr 2015 erinnerte Grönemeyer an die Aufnahme von Flüchtlingen in Deutschland. Menschen seien Geflüchteten „in Notlagen entgegengegangen“, hätten sie aufgenommen und sich um sie gekümmert. Die Aufnahme sei damals nicht staatlich angeordnet worden, sondern aus der Gesellschaft selbst heraus entstanden. „Das ist unser Gesicht“, sagte der Sänger.

Bereits nach Bekanntgabe der Auszeichnung hatte Grönemeyer seine politischen Positionen betont. Wie Apollo News berichtete, erklärte der Musiker damals unter anderem: „Kein Millimeter nach rechts.“ Zudem verwies er auf seine Herkunft aus dem Ruhrgebiet, das er als europäischen „Schmelztiegel“ bezeichnete.

Kritik an Merkel, Scholz und der Regierung

Neben seinen Ausführungen zur Flüchtlingspolitik übte Grönemeyer auch Kritik an der politischen Kommunikation der vergangenen Jahre. In den vergangenen zwei Jahrzehnten sei mit der Bevölkerung „nicht und über nichts gesprochen worden“, sagte er.

Ex-Kanzlerin Angela Merkel habe außer dem Satz „Wir schaffen das“ weitgehend geschwiegen. Bundeskanzler Olaf Scholz habe diesen Stil fortgesetzt, kurz von der „Zeitenwende“ gesprochen und sei anschließend wieder verstummt.

Auch die aktuelle Bundesregierung bekam ihr Fett ab. Die Koalition scheine eher die öffentlichen Streitigkeiten der früheren Ampel-Regierung nachzuahmen, anstatt zu klaren Entscheidungen und Ergebnissen zu gelangen, erklärte der Musiker.

Als Gegenbeispiel führte Grönemeyer die deutsche Fußball-Nationalmannschaft an. Spieler konkurrierender Vereine würden dort gemeinsam auf ein Ziel hinarbeiten, statt ihre Rivalitäten öffentlich auszutragen.

„Sie kebbeln sich nicht im Mittelkreis, sondern suchen gemeinsam den direkten Weg zum Tor“, sagte Grönemeyer. „Wir wollen Taten und kein Getratsche.“

Appell an die Bürger

Die Preisverleihung nutzte der Sänger zudem für einen Aufruf zu mehr gesellschaftlichem Engagement. Die Zivilgesellschaft brauche nicht unbedingt „eine Mutti oder einen Vati“. Vielmehr seien die Menschen selbst gefordert, aktiv zu werden und Verantwortung zu übernehmen.

Grönemeyer warb für eine „Bewegung der Bürger für Bürger“. Deutschland sei „prallvoll mit demokratischen, humanistischen Elementen“, sagte er. An diese gelte es sich zu erinnern.

Mit dem Deutschen Nationalpreis zeichnet die Deutsche Nationalstiftung seit 1997 Persönlichkeiten und Organisationen aus, die sich für Demokratie und gesellschaftlichen Zusammenhalt engagieren. Die Auszeichnung ist mit insgesamt 50.000 Euro dotiert.

Zum Abschluss seiner Rede sprach sich Grönemeyer für einen optimistischen Blick in die Zukunft aus. Angst vor der Zukunft wolle er nicht haben. Als Angehöriger der Boomer-Generation trage er Verantwortung gegenüber den nachfolgenden Generationen – und nehme diese Verantwortung gerne an.