7:30 Uhr morgens, 27. Mai. Im Collège von Bry-sur-Marne, südöstlich von Paris, öffnen Lehrer wegen der Hitze die Fenster.

Dann beginnen die Lautsprecher.

Anderthalb Stunden lang dringen islamische Gebetsgesänge in die Klassenräume. Das Schreiben, das die Lehrer danach an den Bürgermeister schicken, ist unmissverständlich: „Können Schüler akzeptieren, dass sie mit islamischen Psalmodien als Hintergrundgeräusch unterrichtet werden?“

50 Beschwerden — und keine Erklärung

Bürgermeister Charles Aslangul wird an diesem Morgen mit Anrufen überhäuft. Rund 50 Bürger beschweren sich. Viele glauben, er habe die Beschallung genehmigt. Dabei hat Bry-sur-Marne keine einzige Moschee.

Die Lautsprecher sollen aus einer Nachbargemeinde gekommen sein. Die Präfektur ließ ermitteln – die genaue Herkunft blieb zunächst unklar. Alle befragten Moscheen bestreiten Beteiligung. „Unsere eigenen liberalen Regeln wenden sich gegen uns“, sagt Aslangul.

Warnweste, Straßensperre — alles geplant

Chalon-sur-Saône, 20. März. Beim muslimischen Fastenbrechen blockieren mehrere Hundert Gläubige 45 Minuten lang die Straßen rund um ihre Moschee. Kein Antrag. Keine Genehmigung.

Bürgermeister Gilles Platret bekommt Fotos. Darauf zu sehen: ein Mann in Warnweste, der Autos umleitet. „Nichts war improvisiert.“

Beim Opferfest Ende Mai stoppt Platret die Wiederholung dieser Aktion — mit massivem Polizeieinsatz. Die Kosten will er der Moschee in Rechnung stellen. „Wenn der Glaube in den öffentlichen Raum dringt, wird er politisch. Das ist eine Art Halalisierung der Stadt.“

Von Paris bis Marseille: Dasselbe Bild

In Marseille zeigen Videos Muezzin-Rufe aus mehreren Stadtteilen gleichzeitig. Senator Stéphane Ravier auf X: „Die Islamisierung der Stadt der Heiligen Mutter schreitet voran.“

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In Nantes drängen 5.000 Gläubige in eine Moschee für 1.400 Personen. Der Rest betet im angrenzenden Park. Anwohner berichten, um 6 Uhr früh von Lautsprechern geweckt worden zu sein.

In Villemomble hört Bürgermeister Patrice Calméjane selbst eine „entfernte Melodie“ für zehn Minuten. „Zum ersten Mal so deutlich.“

Das ist eine Machtfrage

Florence Bergeaud-Blackler, Anthropologin beim CNRS, Frankreichs größter staatlicher Forschungsorganisation, warnt: Das sei keine spontane Praxis, die aus Platzmangel überbrodelt.

Es handle sich um eine koordinierte islamistische Strategie, seit den 1990ern. Grenzen austesten, islamische Präsenz normalisieren — und jeden Widerstand als Islamfeindlichkeit framen.

Frankreich versteht sich seit dem Laizitätsgesetz von 1905 als strikt säkulare Republik. Religion ist Privatsache — und hat in staatlichen Institutionen nichts verloren. Wenn Gebetsrufe in Schulen hörbar werden oder Straßen für Gebete blockiert werden, wird aus einer religiösen Handlung schnell eine politische Frage.

Bergeaud-Blackler hat gerade 184 parlamentarische Anfragen zum Islamismus ausgewertet. Befund: Das Wort „Frérisme“ — Aktivitäten der Muslimbrüderschaft — tauche in 18 Monaten Parlamentsarbeit nur zweimal auf. Eine Anfrage zu Steuervorteilen für Katar warte seit 523 Tagen auf Antwort.

Bergeaud-Blackler kritisiert: Man kann ein Problem nicht angehen, das man nicht zu benennen wagt.

Das Gesetz gibt es. Nur keiner wendet es an

Juristisch ist die Sache nicht ganz so einfach. Gebetsrufe und Straßengebete sind in Frankreich nicht automatisch verboten. Entscheidend ist, ob Sicherheit, Ruhe oder Verkehr gestört werden.

450 Euro Strafe für Lärmbelästigung — das wäre die rechtliche Handhabe. Straßengebete als öffentliche Versammlung brauchen eine Voranmeldung.

David Lisnard, Chef des französischen Bürgermeisterverbands und selbst Bürgermeister von Cannes, macht es vor. Er stellt konsequent Bußgelder aus. „Seit vier Jahren habe ich keine Probleme mehr.“

Paris schweigt

Seit dem 27. Mai schlagen mehrere Bürgermeister öffentlich Alarm. Le Figaro berichtet ausführlich. Videos gehen viral. Eine große Regierungsreaktion ist bislang nicht sichtbar. Im Ministerrat vom 3. Juni spielte das Thema keine Rolle.

Für Bergeaud-Blackler ist das Schweigen selbst die Antwort. Das Problem existiere überall im Diskurs — und nirgendwo in der Politik.

Die Bürgermeister stehen allein.