Es ist ein Bewerbungsverfahren unter Ausschluss der Öffentlichkeit: In der Nacht auf Mittwoch ist die Frist für die 13 ausgeschriebenen ORF-Direktorenposten abgelaufen – doch wie viele Kandidaten sich tatsächlich gemeldet haben, bleibt im Dunkeln. Der designierte Generaldirektor Clemens Pig setzt auf strikte Vertraulichkeit und rückt weder Zahl noch Namen der Interessenten heraus.

Auch der Stiftungsrat mauert. In einer Aussendung am Mittwochvormittag spricht Vorsitzender Heinz Lederer lediglich von einem „breiten Spektrum von internen und externen Persönlichkeiten”, darunter eine „große Anzahl hochqualifizierter Medienmanagerinnen und -manager”. Konkrete Details? Fehlanzeige. Über Zahl oder Identität der Bewerber werde man nichts bekanntgeben, heißt es unmissverständlich.

Immerhin: Einige Anwärter machten ihre Ambitionen selbst publik. Programmdirektorin Stefanie Groiss-Horowitz bewirbt sich laut eigenen Angaben gleich für zwei zentrale Direktionen – „Programm und Brands” sowie „Audience und Plattformen”. Technikdirektor Harald Kräuter will die neue Direktion „Technologie und Innovation” übernehmen, „weil ich die Aufgabe mit großer Freude ausführe”, wie er auf APA-Anfrage festhielt. Und ORF-III-Co-Geschäftsführerin Kathrin Zierhut-Kunz bestätigte ihre Bewerbung für „Finanzen und Verwaltung” – jene Frau, die bei der Generaldirektorenwahl eine von 35 Stimmen erhielt.

Frischer Wind von außen

Für Bewegung könnte Medienberater Matthias Settele sorgen. Der 59-Jährige, der die slowakische Privatsendergruppe Markiza sanierte und zur Marktführerschaft führte, hat sich Medienberichten zufolge gleich für drei Direktionen beworben. Auch Ex-ORF-Journalistin Sonja Sagmeister, bei der GD-Wahl ohne eine einzige Stimme geblieben, geht erneut ins Rennen.

Naturgemäß brodelt die Gerüchteküche: Gehandelt werden unter anderem FM4-Chefin Doroteja Gradištanac, Unterhaltungschef Martin Gastinger, Kronehit-Geschäftsführer Philipp König, TV-Magazinchefin Lisa Totzauer und „ZiB1″-Moderatorin Nadja Bernhard. Strukturell fällt die bisher von ORF-Chefin Ingrid Thurnher mitgeführte Radiodirektion weg.

Drei Landeschefs gehen

Bei den neun Landesdirektionen steht ein Wechsel an: Karin Bernhard (Kärnten) geht in den Ruhestand, Gerhard Koch (Steiermark) und Waltraud Langer (Salzburg) treten nicht mehr an. In Wien und im Burgenland setzen Edgar Weinzettl und Werner Herics auf Kontinuität und wollen weitermachen.

Termin verschoben, Berater aus dem Ausland

Ursprünglich hätte Pig sein Team schon am 21. Juli präsentieren sollen – zu knapp für einen, der auf ein „objektives, transparentes und nicht diskriminierendes” Verfahren pocht. Die Bestellung wandert daher auf die Stiftungsratssitzung am 11. August. Zwei externe Personalberater aus Deutschland und der Schweiz soll für einen „maximal äquidistanten Blick” sorgen. Pig kündigte an, auf ein strikt ausgewogenes Geschlechterverhältnis zu achten und die Bewerber auf ihr Bekenntnis zum öffentlich-rechtlichen Auftrag abzuklopfen.