Der progressive ORF-Radiosender FM4 hat vergangene Woche eine Podcast-Folge zur Israel-Teilnahme beim Eurovision Songcontest (ESC) veröffentlicht. Unter dem Titel „ESC zwischen Party und Protest“ redet ein Moderator mit vier Gästen fast 38 Minuten lang darüber, wie politisch der ESC ist und ob Israel daran teilnehmen darf. Ausgewogen ist die Sendung, die Teil des Podcasts „Auf Laut“ ist, nicht. Die Linie ist klar: Israel gehört nicht zum ESC aufgrund der Kriege, in die das Land involviert ist.

Kein einziger Gast verteidigt Israel
Kein einziger der Gesprächsteilnehmer ist pro Israel. Zentrale Stimme der Sendung ist Moshu, Musiker der ungarischen Klein-Band „Hari Drama“. Er bezeichnet sich als gläubiger Jude mit äthiopischen Wurzeln, der in einer christlichen Sekte aufgewachsen ist. Später habe er zu seinen jüdischen Wurzeln zurückgefunden. Moshu nennt Israel einen „fragwürdigen Staat“ und kritisiert, dass es in Österreich eine „Übernormalisierung von Zionismus“ gebe.
Tendenziöse Geschichten über den jüdischen Staat
Das macht Moshu an einer persönlichen Geschichte fest: Er sei wegen Protests gegen den Kauf von KI-Drohnen und Massenüberwachungstechnologien vom israelischen Militär vom „Kriminalrat Margareten“ vorgeladen worden. Er stand, laut eigenen Angaben, unter Verdacht auf „Gutheißung terroristischer Straftaten“.
Er erzählt weiter, dass Personen „mit arabischem oder palästinensischem Bezug“, die an der Demo teilnahmen, Besuch von Polizisten „mit Maschinengewehren“ mitten in der Nacht bekommen hätten. Was folgt, ist kein Nachfragen des Moderators, keine genaue Einordnung dieser angeblichen Ereignisse. Kein: „Welche Demonstration war das genau? Welche Parolen wurden dort geschrien?“. Er fragt lediglich: „Wann ist das passiert?“.

Israel würde Anstieg des Antisemitismus „genießen“
Der Musiker glänzt weiter mit unvollständigen Darstellungen und Halbwahrheiten: Er erzählt, äthiopische Frauen seien bei ihrer Ankunft in Israel sterilisiert worden, weil der Staat nicht wollte, dass sich eine dunkelhäutige Mehrheit im Land bilde. Im Dezember 2012 wurde tatsächlich bekannt, dass äthiopischen Einwanderinnen nach Israel das Langzeitverhütungsmittel Depo-Provera verabreicht wurde. Der Skandal wurde im Zuge der Veröffentlichung von der israelischen Politik aufgearbeitet. Fakt ist: Depo-Provera ist kein Sterilisationsmittel, sondern ein Verhütungsmittel. Damit ist klar: Moshu schreckt nicht vor Halbwahrheiten zurück, um Israel in ein schlechtes Licht zu rücken.
Dann sagt er noch: Israel würde den Anstieg des Antisemitismus „genießen, weil es legitimisiert ihren Standpunkt, dass es notwendig ist, dieses Vaterland zu haben, wo sie hinflüchten können und wo sie Startups machen können und wo sie teuren Matcha verkaufen“. Hier unterstellt er Juden, dass sie von ihrem eigenen Leid profitieren würden.
Moderator verschweigt: Gast ist SPÖ-Politikerin
Später kommt eine Frau namens Maximiliane Adorján zu Wort. Sie wird als „ESC-Fan“ vorgestellt. Was der Moderator nicht erwähnt: Adorján ist SPÖ-Bezirksrätin in Wien-Leopoldstadt. Sie nennt als „größten gemeinsamen Feind“ den „Kapitalismus und kritisiert, dass der größte Sponsor des ESC das israelische Unternehmen „Moroccanoil“ sei. Damit will sie beweisen, wie groß der israelische Einfluss auf den ESC ist. Der Historiker Dean Vuletic, der einzige Gast, der objektiv über Israel und den ESC redet, rückt die Aussagen der SPÖ-Bezirksrätin zurecht: Es gebe viele große Firmen, die gerne Hauptsponsor des Musikevents wären und sofort nachrücken würden. Außerdem finde man auf der Website keinen Hinweis darauf, dass „Moroccanoil“ ein israelisches Unternehmen sei.
Werbung für Anti-Apartheid-Festival

Zum Schluss der Sendung gab der Moderator den beiden Musiker von „Hari Drama“ Raum, um ihr pro-palästinensisches Musikevent „Jazz Against Apartheid. Music festival for Palestine“ bewerben zu können. Dieses fand vergangenen Donnerstag im Kulturzentrum FLUCC statt. Der Erlös des Konzerts geht, laut Veranstalter, an Palästinenser.

Franz Schellhorn, der Leiter der wirtschaftlich liberalen Denkfabrik „Agenda Austria“ kommentiert die Anti-Israel-Folge mit drei Worten: „Privatisieren, ganz einfach.“

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