Für politische Brisanz sorgt Kritik aus den Reihen der FPÖ. Stiftungsrat Peter Westenthaler wirft der Bundesregierung vor, die Entscheidung bereits im Vorfeld zugunsten eines Kandidaten getroffen zu haben. Westenthaler spricht von einer „ekelhaften Inszenierung“ und kündigte bereits an, die Wahl anzufechten, sollte sich der Eindruck einer politischen Vorfestlegung bestätigen.

"Goldene Himbeere für die schlechteste Inszenierung"

Peter Westenthaler: „Es werden vier werden: Zwei Rote, zwei Schwarze. Dann geht es runter auf die Chefredakteure. Man geniert sich nicht einmal dafür. Eine ganz ekelhafte Inszenierung, Landeshauptmann Anton Mattle von der ÖVP wird unser Zeuge sein. Die Stiftungsräte dürften nicht den besten, sondern den „genehmsten“ Kandidaten wählen. Clemens Pig erfüllt nicht die Kriterien für einen ORF-Generaldirektor, weil er noch nie beim Fernsehen gearbeitet hat.

Neun Bewerber im Hearing

Die Sitzung des ORF-Stiftungsrates begann um 10 Uhr. Insgesamt neun Kandidatinnen und Kandidaten stellen sich im Rahmen eines Hearings den Mitgliedern des Gremiums. Ursprünglich hatten sich 75 Personen um die Spitzenfunktion beworben.

Jeder Bewerber präsentiert dabei sein Konzept für die Zukunft des ORF und muss sich den Fragen der Stiftungsräte stellen. Die Hearings sowie die anschließende Wahlentscheidung dürften sich bis in die späten Nachmittagsstunden ziehen. Auf die künftige ORF-Führung kommen unmittelbar nach Amtsantritt bedeutende Aufgaben zu. Besonders im Fokus steht die Umsetzung eines umfangreichen Sparprogramms, das aufgrund der angespannten finanziellen Rahmenbedingungen notwendig geworden ist.

Zudem muss der ORF seine digitalen Angebote weiterentwickeln und sich im Wettbewerb mit internationalen Streaming- und Medienplattformen behaupten. Die heutige Wahl entscheidet somit nicht nur über eine Person an der Spitze des Hauses, sondern auch über die strategische Ausrichtung des ORF in den kommenden Jahren.