In exxpress live wurde über zwei brisante Fälle diskutiert: den endgültigen Abgang von ORF-Ex-General Roland Weißmann und den Corona-Werbeskandal um Apotheken in der Schweiz. Mit dabei: Politikwissenschaftler Ralph Schöllhammer und Fernsehmoderator Reinhard Jesionek. Vor allem in der zweiten Stunde dominierte die Frage, wie sehr Vertrauen in Institutionen beschädigt wird – und warum es so schwer zurückkommt.
„Wenn die Spitze fällt, fällt das Vertrauen mit“
Für Ralph Schöllhammer ist der Fall Weißmann mehr als ein personeller Einschnitt. Der endgültige Schlussstrich des ORF sei zwar notwendig, komme aber zu spät, um den Imageschaden zu verhindern. Entscheidend sei nicht nur das Fehlverhalten selbst, sondern der Umgang damit.
Sinngemäß argumentiert er: Institutionen verlieren dann Vertrauen, wenn sie Probleme nicht sofort klar und konsequent lösen. Gerade öffentlich-rechtliche Medien stünden hier unter besonderer Beobachtung.
Reinhard Jesionek sieht die Notwendigkeit der Konsequenzen ebenfalls, mahnt aber zur Differenzierung. Einzelne Verfehlungen dürften nicht automatisch das gesamte System diskreditieren. Gleichzeitig wird auch für ihn deutlich: Der ORF muss nun aktiv daran arbeiten, verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen.
Schöllhammer bleibt skeptisch – Vertrauen lasse sich nicht verordnen, sondern müsse sich langfristig neu bilden.
„Was gestern als richtig galt, gilt heute als irreführend“
Noch grundsätzlicher wird die Debatte beim Corona-Werbeskandal in der Schweiz. Für Schöllhammer ist die Bestrafung der Apotheken ein Symbol für ein tieferes Problem: Botschaften, die politisch gewollt waren, würden im Nachhinein plötzlich infrage gestellt.
Sinngemäß hält er fest: Wenn staatlich unterstützte Kommunikation später als „irreführend“ gilt, untergräbt das die Glaubwürdigkeit von Behörden massiv. Die Menschen würden sich zurecht fragen, was eigentlich noch gilt.
Jesionek widerspricht teilweise und betont die rechtliche Dimension. Werbung für medizinische Produkte unterliege klaren Regeln, unabhängig vom politischen Kontext. Dennoch räumt auch er ein: Die Wirkung nach außen sei heikel und könne Zweifel verstärken.
Für Schöllhammer ist genau das der Kern des Problems – nicht die einzelne Entscheidung, sondern das Muster dahinter. Wenn sich Narrative im Nachhinein verschieben, verliere die Bevölkerung das Vertrauen in offizielle Kommunikation.
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