Im Gespräch mit Gerald Fleischmann kritisierte Seidl vor allem die zunehmende Polarisierung der Gesellschaft. Viele Debatten würden heute nicht mehr geführt, sondern sofort moralisch bewertet. Dadurch gehe die Fähigkeit verloren, unterschiedliche Meinungen auszuhalten.
Überrascht über angeblichen ORF-Schnitt
In diesem Zusammenhang zeigte sich Seidl überrascht wegen eines angeblichen Eingriffs in sein Programm durch den ORF. So sei bei einer Ausstrahlung eines Kabaretts sogar eine Erwähnung von ZiB-Anchorman Armin Wolf herausgeschnitten worden. Seidl hätte sogar nach dem Grund gefragt, seitens des ORF hätte die Antwort gelautet: „Zu lang“.
„Mein Gott verträgt einen Witz“
Auch bei religiösen Themen plädierte Seidl für mehr Gelassenheit. Auf die Frage, ob man Witze über Mohammed machen dürfe, meinte der Kabarettist: „Täte ich nicht machen.“ Sein persönlicher Gott müsse allerdings einen Witz aushalten können. Das attestiert Seidl allen Gläubigen, Er traue gläubigen Menschen grundsätzlich zu, Humor von echter Beleidigung unterscheiden zu können.
Genderdebatte: „Ich weiß es nicht“
Beim Thema Geschlechter zeigte sich Seidl skeptisch gegenüber immer neuen Definitionen. Während manche von zwei Geschlechtern sprechen würden, gebe es mittlerweile zahlreiche weitere Einteilungen: „Ich kenne Mediziner, die sagen, es gibt zwei. Ich kenne Archäologen, die sagen, es gibt zwei. Wir sind bei 50, 60, 70, 72. Ich weiß es nicht. Vielleicht soll es so viel geben, wie es Menschen gibt auf dem Planeten.“ Er selbst wolle sich nicht anmaßen, darüber endgültig zu urteilen. Gleichzeitig machte Seidl deutlich, dass er mit manchen Entwicklungen der Genderdebatte wenig anfangen könne.
Corona-Kritik Jahre später
Deutliche Worte fand der Kabarettist auch zur Corona-Zeit – er machte auf die Spaltung und Polarisierung der Gesellschaft durch umstrittene Maßnahmen aufmerksam. Nicht immer fanden Seidl und Fleischmann einen Konsens, speziell in punkto Notwendigkeit und Effizienz der damaligen Impfmaßnahmen. Insbesondere der Lockdown für Ungeimpfte sei für Seidl bis heute ein kritischer Punkt. Dieser habe zu einem Zeitpunkt stattgefunden, als bereits bekannt gewesen sei, dass auch Geimpfte das Virus weitergeben können. Spätestens hier hätte sich die Rhetorik der Verantwortlichen ändern müssen.
Fragezeichen beim Klimawandel
Beim Klimathema stellte Seidl ebenfalls Fragen, die nicht jedem gefallen dürften. Zwar sei für ihn unbestritten, dass der Mensch Einfluss auf seine Umwelt habe. „Ich habe nur diesen Menschen gemachten Klimawandel, das ist auch so ein Schlagwort und im Vergleich dazu weiß ich nicht, wie groß ist er ist, der menschengemachte Klimawandel“. Mit seinen Aussagen positioniert sich Seidl einmal mehr als jemand, der sich ungern einordnen lässt – und definitiv nicht in politische Lager. Jedenfalls fordert der Kabarettist vor allem eines: mehr Debatten, mehr Gelassenheit – und weniger Denkverbote.

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