Kriminalität im Netz ist längst kein Schlagwort mehr – die Ermittlungen des FBI als zentrale Sicherheitsstelle der Vereinigten Staaten in diesem Bereich laufen auf Hochtouren. Die Bundesbehörde war selbst auch schon Opfer. Im heurigen März etwa drangen mit der chinesischen Regierung verbundene Hacker in ein internes FBI-Netzwerk ein. Sie erlangten Zugriff auf sensible Informationen zu inländischen Überwachungsanordnungen.

Hochkomplexe Ermittlungen im Cyberbereich

In der Ermittlung und Aufklärung von Cybercrime-Attacken gibt es immer wieder Reibungspunkte. So zerschlug das FBI erst im heurigen April in einer gemeinsamen Operation ein globales Phishing-Netzwerk, das Unternehmen massiv geschädigt hatte. Andererseits vertrieb die US-Behörde ab 2019 weltweit verschlüsselte Handys („Anom”) an Kriminelle, um deren Kommunikation mitzulesen. Dies führte weltweit zu tausenden Festnahmen, steht aber aufgrund rechtlicher Bedenken zur Datenverwendung auch in der Kritik. Das zeigt, wie komplex das Handling von Cybercrime-Attacken in Bezug auf den rechtlichen Rahmen ist. Allerdings untermauern die Ermittlungserfolge des FBI auch seine Rolle als führende Expertenorganisation in diesem Bereich.

Panik vor Terror

Für den am Sonntag startenden Song Contest gilt bekanntlich die Terrorwarnstufe 4 von 5 – somit die zweithöchste Stufe auf der nationalen Skala. Das Sicherheitsaufgebot für das Event ist enorm. Die Stadthalle, in der am 12. und 14. Mai die Halbfinals und am 16. Mai das Finale steigen werden, steht unter strenger Beobachtung. Im April durchsuchten Sprengstoff-Experten und Spürhunde die Räume. Wer rein will, muss akkreditiert sein und Sicherheitsschleusen wie an einem internationalen Flughafen passieren. Insgesamt wurden 16.000 Personen im Umfeld des Songcontests von der Polizei überprüft. Und dann gibt es noch die Furcht vor Hacker- und Cyberattacken.

Kooperation mit FBI als Novum

Die Wiener Polizei hielt sich bei einer Anfrage nach Details der Zusammenarbeit mit dem FBI oder drohenden Cybercrime-Szenarien bedeckt. Verständlicherweise wird das imaginäre Bild eines kompletten Technikausfalls während der Song-Contest-Shows bewusst nicht thematisiert. Allerdings betonte die Exekutive, dass die Kooperation mit der amerikanischen Behörde ein Novum sei und ein „Beispiel für gelebte internationale Zusammenarbeit.“

24 Stunden in Bereitschaft

So wäre in New York eigens eine Taskforce eingerichtet worden, die während der gesamten Dauer des Eurovision Song Contest 24 Stunden an sieben Tagen die Woche zur Verfügung stehe, hieß es seitens der Landespolizeidirektion: „Die FBI-Taskforce wird den Sicherheitskräften in Wien bei der Abwehr von Hacker- und Cyberattacken Unterstützung bieten.“

Gebündelte Expertise als Hoffnung

„Erstmals wurde im Rahmen dieses Großereignisses eine eigene Arbeitsgruppe „Cybercrime“ eingerichtet“, hieß es weiter. In dieser würden Experten der Stadt Wien, des ORF sowie der Polizei – konkret des Bundeskriminalamts und der Polizei Wien – eng zusammenarbeiten. Ziel ist es, potenzielle Cyberangriffe frühzeitig zu erkennen und wirksam abzuwehren. Gebündelte Expertise stellt folglich den Hoffnungsschimmer dar, dass beim Song Contest nicht das Licht ausgeht.