Die Debatte kommt nicht von ungefähr: Die Ausgaben für Heilmittel steigen seit Jahren kräftig. Gesundheitsministerin Korinna Schumann (SPÖ) fordert deshalb faire und nachhaltige Preise und setzt auf einen verstärkten Einsatz von Generika sowie eine zentrale Beschaffung hochpreisiger Medikamente.
Doch genau bei einem jener Medikamente, für die Österreichs öffentliche Spitäler besonders viel Geld ausgeben, fehlt dem Bund offenbar der Überblick. Wie profil berichtete, kennt das Gesundheitsministerium den tatsächlichen Einkaufspreis des Krebsmedikaments Keytruda des Herstellers Merck nicht.
Vertrauliche Rabatte bleiben unter Verschluss
Zwar existiert für Keytruda ein offizieller Listenpreis, tatsächlich bezahlt werden jedoch individuell ausgehandelte Preise. Diese ergeben sich aus vertraulichen Rabattvereinbarungen zwischen Merck und den jeweiligen Landeskrankenhausträgern. Weil die Beschaffung direkt über die Krankenhausträger erfolgt und die Konditionen geheim bleiben, verfügt das Ministerium über keine Informationen zu den tatsächlich bezahlten Preisen.
Experten sehen darin einen Nachteil für die öffentliche Hand. Fehlt die Transparenz über Einkaufspreise, wird ein Vergleich der Beschaffungskosten deutlich erschwert.
Rechtsstreit erreicht den Verfassungsgerichtshof
Um mehr Transparenz zu schaffen, haben profil und der Recherchepartner Der Standard auf Grundlage des neuen Informationsfreiheitsgesetzes zahlreiche Auskunftsanträge gestellt. Mehrere Krankenhausträger verweigerten jedoch die Herausgabe der Daten, worauf Verfahren vor den Landesverwaltungsgerichten folgten.
Mittlerweile liegt der Fall beim Verfassungsgerichtshof. Nach Angaben von profil bekämpft die österreichische Merck-Gesellschaft dort auch zentrale Bestimmungen des neuen Informationsfreiheitsgesetzes.
Österreichischer Fall sorgt international für Aufmerksamkeit
Die Causa bleibt auch international nicht unbeachtet. Das International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ) griff den österreichischen Transparenzstreit im Rahmen des weltweiten Rechercheprojekts “Cancer Calculus” auf. Insgesamt beteiligen sich daran 48 Medien aus 37 Ländern. Nach Angaben des ICIJ wurden im Zuge des Projekts bereits mehr als 1.000 Auskunftsanträge in 27 Staaten eingebracht.
Arzneimittelausgaben steigen kräftig
Die Transparenzdebatte fällt in eine Zeit stark steigender Medikamentenkosten. Laut dem aktuellen Heilmittelreport des Dachverbands der Sozialversicherung beliefen sich die Ausgaben für Heilmittel im Jahr 2025 auf 4,9 Milliarden Euro. Das entspricht einem Plus von 7,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr und einem Anstieg von 88,2 Prozent seit 2013.
Vor diesem Hintergrund setzt Gesundheitsministerin Schumann auf Maßnahmen wie den verstärkten Einsatz von Generika und eine zentrale Beschaffung hochpreisiger Medikamente. Zugleich fordert sie die Pharmaunternehmen auf, ihren Beitrag zu „fairen und nachhaltigen Preisen“ zu leisten. Das geht aus einer APA-Meldung hervor.

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