Pfand auf Batterien? Das ist jetzt geplant
Unsachgemäß im Restmüll entsorgte Lithium-Batterien sorgen in Österreich vermehrt für gefährliche Brände und stellen die Abfallwirtschaft vor wachsende Herausforderungen. Um dem entgegenzuwirken, wird nun über ein Pfandsystem diskutiert.
Bei einem Medientermin am Dienstag in Wien schlugen die Elektroaltgeräte Koordinierungsstelle (EAK), das Umweltministerium und der Bundesfeuerwehrverband Alarm. Auf dem Areal der Saubermacher Dienstleistungs AG wurde anhand eines Experiments eindrucksvoll gezeigt, wie schnell beschädigte Lithium-Akkus in Flammen aufgehen können.
Es brennt sechs Mal am Tag
Ob Einweg-E-Zigaretten, Laptops, kabellose Kopfhörer, Glückwunschkarten, Spielzeug oder elektrische Zahnbürsten – die sehr leistungsstarken und daher sehr praktischen Lithium-Akkus sind aus dem modernen Alltag nicht mehr wegzudenken. Doch bergen sie auch ein enormes Gefahrenpotenzial.
In Österreich brennt es in der Abfallwirtschaft statistisch gesehen bis zu sechs Mal pro Tag, wobei nicht jeder dieser Brände auf Lithium-Akkus zurückzuführen ist. Zwischen dem Jahr 2012 und 2024 wurde nach Angaben des Verbands Österreichischer Entsorgungsbetriebe (VOEB) eine Verfünffachung der Brandereignisse verzeichnet.
Zwei Batterien pro Tonne Abfall
Nach Schätzungen der Montanuniversität Leoben landen jährlich rund drei Millionen Lithium-Batterien in Österreich im Restmüll statt in der vorgesehenen Sammlung. Das entspricht etwa zwei Stück pro Tonne Abfall. Aufgrund der steigenden Zahl elektronischer Geräte könnte sich diese Menge in den kommenden Jahren auf rund sechs Millionen Stück pro Jahr verdoppeln.
Fehlwürfe seien vor allem in Papier- oder Kunststoffsammlungen problematisch. Der VOEB verzeichnete im Jahr 2025 insgesamt 36 größere Brandereignisse in Entsorgungs- und Recyclingbetrieben. In mehreren Fällen wurden Lithium-Batterien oder -Akkus als mögliche Ursache vermutet. Einer der verheerendsten Brände entstand auf dem Gelände eines Entsorgungs- und Recyclingbetriebes in Osttirol im Juli 2025, erinnerte Umweltminister Norbert Totschnig (ÖVP). Die Anlage brannte völlig ab, das Feuer konnte erst nach mehreren Tagen gelöscht werden.
Brände für Einsatzkräfte herausfordernd
Totschnig betonte am Dienstag die Bedeutung einer funktionierenden Abfallwirtschaft für Kreislaufwirtschaft sowie Ressourcen- und Klimaschutz. Die fachgerechte Entsorgung von Batterien sei entscheidend für die Sicherheit der Betriebe, insbesondere kleiner und regionaler Unternehmen. Er kündigte eine verstärkte Bewusstseinskampagne an. Die Weiterentwicklung der Initiative “Her mit Leer” soll im Frühjahr 2026 starten.
Die wirtschaftlichen Schäden gehen laut Branchenangaben bereits in die zweistelligen Millionenbeträge. Um das Brandrisiko zu senken, forderten die Experten neben verstärkter Aufklärung auch regulatorische Maßnahmen. Ein Verbot von Einweg-E-Zigaretten ist laut Ministerium voraussichtlich für Ende 2026 geplant. Entscheidend bleibe jedoch die Mithilfe der Bevölkerung: Batterien und Akkus sollten konsequent bei Sammelstellen oder im Handel zurückgegeben und keinesfalls im Restmüll entsorgt werden.
Pfand bei Batterien: Das ist der Plan
Ein mögliches Pfandsystem für Batterien wird derzeit von Experten und Wissenschaftlern geprüft. Geplant ist laut Krone, dass Konsumenten alte Batterien sowohl im Handel als auch bei öffentlichen Recyclingstellen zurückgeben können. Die Pfandhöhe soll je nach Größe der Batterie zwischen einem und 50 Euro liegen – von kleinen Gerätebatterien bis zu E-Bike-Akkus.
Ein Teil der Einnahmen soll in einen Brandschutzfonds fließen, da Entsorgungsbetriebe hohe Summen – oft bis zu einer Million Euro – in moderne Lösch- und Sicherheitsanlagen investieren müssen. Hintergrund ist auch eine EU-Vorgabe: Bis 2030 soll die Sammelquote auf 73 Prozent steigen. Aktuell liegt Österreich bei rund 50 Prozent.
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