Der Fall kam ans Licht, nachdem die neuen Eigentümer eines Grundstücks im Dorf Lutoryz nahe der südostpolnischen Stadt Rzeszów bei Erdarbeiten auf medizinische Abfälle gestoßen waren. Zwischen Paraffinblöcken und Mikroskop-Objektträgern fanden sie auch menschliche Überreste.

„Unter den aufgedeckten Abfällen befanden sich auch ein menschlicher Fötus sowie weitere Überreste, bei denen es sich um menschliche Föten in einem frühen Entwicklungsstadium oder um Teile davon handeln könnte“, erklärte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Rzeszów.

Wie die WELT unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft berichtet, wurden bei einer groß angelegten Durchsuchung insgesamt 34 vergrabene Föten entdeckt. Zudem besteht der Verdacht, dass die Pathologin die Föten für „Tests“ verwendet haben könnte.

Die Ärztin wurde in Untersuchungshaft genommen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft bekannte sich die Frau nicht schuldig. Sie habe jedoch eingeräumt, die auf ihrem Grundstück gefundenen menschlichen Föten sowie weitere medizinische Abfälle selbst dorthin gebracht und vergraben zu haben.

Ermittler prüfen Herkunft der Föten

Die Behörden versuchen nun zu klären, woher die Föten stammen und ob weitere Personen in den Fall verwickelt sind. Nach bisherigen Erkenntnissen gibt es keine Hinweise darauf, dass die Frau durch illegale Schwangerschaftsabbrüche in den Besitz der Föten gelangte.

Medienberichten zufolge könnte die Pathologin die Föten während der Corona-Pandemie aus einem Krankenhaus in Rzeszów entwendet haben, um damit Untersuchungen durchzuführen. Eine offizielle Bestätigung dafür liegt bislang nicht vor.

Bis zu zwölf Jahre Haft drohen

Gegen die 57-Jährige wird wegen Leichenschändung, unsachgemäßer Entsorgung medizinischer Abfälle sowie der Entsorgung gefährlicher Stoffe an einem nicht genehmigten Ort ermittelt. Im Falle einer Verurteilung drohen ihr laut Staatsanwaltschaft zwei bis zwölf Jahre Haft.

Der Fall sorgt im traditionell katholischen Polen für große Diskussionen. Viele Menschen fragen sich, wie die Medizinerin überhaupt in den Besitz einer derart großen Zahl menschlicher Föten gelangen konnte. Polen verfügt über eines der strengsten Abtreibungsgesetze Europas. Schwangerschaftsabbrüche sind dort nur in wenigen Ausnahmefällen erlaubt, etwa nach Vergewaltigung, Inzest oder wenn das Leben beziehungsweise die Gesundheit der Mutter gefährdet ist.