Es ist wie in der Schule: Wenn am Freitag im Osten Österreichs die Ferien starten, gibt es auch für die Politik Zeugnisse. Und die fallen für viele Regierungsmitglieder alles andere als erfreulich aus. Für das aktuelle Polit-Zeugnis hat das Institut “Unique Research” im Auftrag der Tageszeitung “Heute” 500 Personen online befragt (Feldarbeit 29. Juni bis 2. Juli, Schwankungsbreite ±4,4 Prozent).
Ganz oben steht ausgerechnet ein Oppositioneller: FPÖ-Chef Herbert Kickl ist 28 Prozent der Befragten positiv aufgefallen – der mit Abstand beste Wert im gesamten Ranking. Der Wermutstropfen: Ein Negativ-Wert von 45 Prozent drückt seinen Saldo auf minus 17 Prozentpunkte. Gegenüber Mai konnte sich der Freiheitliche damit aber verbessern.

Tanner überholt fast alle
Die eigentliche Überraschung liefert ÖVP-Verteidigungsministerin Klaudia Tanner. Sie kommt offenbar nicht nur bei der Truppe an, sondern auch bei den Österreichern: Von Platz fünf im Mai kletterte sie auf Rang zwei – und ist damit das beliebteste Regierungsmitglied überhaupt.
Knapp dahinter rangiert Finanzminister Markus Marterbauer, der mit einem Saldo von minus sieben Prozentpunkten bester SPÖ-Politiker ist. Im Mai standen bei ihm allerdings noch minus vier zu Buche. Auf Platz vier schiebt sich Grünen-Chefin Leonore Gewessler nach vorne – 20 Prozent positive, 41 Prozent negative Nennungen.
Stocker rutscht ab, Meinl-Reisinger vor der Nachprüfung
Weniger erfreulich liest sich das Zeugnis für Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP): Sein Saldo verschlechterte sich von minus zehn im Mai auf nun minus 26 Prozentpunkte, er fällt von Platz zwei auf sechs zurück. Neos-Chefin und Außenministerin Beate Meinl-Reisinger ist gleich 47 Prozent negativ aufgefallen – der zweitschlechteste Wert der Erhebung.
Das absolute Schlusslicht bleibt aber SPÖ-Chef Andreas Babler. Ganze 54 Prozent – also mehr als jeder Zweite – haben den Vizekanzler negativ in Erinnerung. Damit toppte er sogar noch seinen Mai-Wert von 49 Prozent.
Viele Regierungsmitglieder schlicht unbekannt
Auffällig ist, wie vielen Ministern und Staatssekretären schlicht die Bekanntheit fehlt. Justizministerin Anna Sporrer und Frauenministerin Eva-Maria Holzleitner (beide SPÖ) kennen jeweils 32 Prozent der Befragten nach eigenen Angaben nicht. Bei den Staatssekretärinnen ist der Befund noch drastischer: Michaela Schmidt (SPÖ) sagen 41 Prozent nichts.
Kein Bekanntheitsproblem, dafür ein Imageproblem, hat Neos-Staatssekretär Sepp Schellhorn – 39 Prozent nennen ihn negativ, was der Meinungsforscher auf Audi A8, den missglückten NS-Vergleich und ausbleibende Entbürokratisierung zurückführt.
Für Meinungsforscher Peter Hajek ist der Trend eindeutig: “Bei nahezu allen Regierungsmitgliedern ist ein Rückgang des Vertrauens zu verzeichnen, wenngleich dieser in den meisten Fällen nicht signifikant ist.” Profitieren könne davon vor allem die Opposition – wobei auch Kickls und Gewesslers Zugewinne laut Hajek nicht signifikant seien.

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