Verdeckte Ermittler leben gefährlich, arbeiten im Verborgenen und bewegen sich regelmäßig im rechtlichen Graubereich – das gehört zum Job. Doch jetzt steht ein Undercover-Agent des Bundeskriminalamts selbst im Visier der Justiz. Am vergangenen Samstag rückten Beamte zur Wohnadresse des Maulwurfs im steirischen Bezirk Voitsberg aus. Der Vorwurf: Amtsmissbrauch und Drogenhandel. Der Beamte sitzt seither in Untersuchungshaft – es gilt die Unschuldsvermutung. Die Krone berichtete.

Drogenreste in der Küche – und zwei Kilo Speed

Bei der Razzia stießen die Ermittler in der Küche des Beamten auf Anhaftungen von Suchtgift. Noch schwerer wiegt die Aussage eines Belastungszeugen: Der verdeckte Ermittler soll ihm angeblich zwei Kilogramm der synthetischen Droge Speed verkauft haben. Sein Anwalt Mag. Andreas Kleinbichler winkt ab: „Die gefundenen Mini-Reste sind durch das Umfüllen für Scheingeschäfte erklärbar. Die U-Haft ist eigentlich nicht berechtigt, im Verfahren werden sich die widersprüchlichen Angaben aufklären lassen.”

Was verdeckte Ermittler dürfen – und was nicht

In Österreich ist der Einsatz verdeckter Ermittler gesetzlich streng geregelt. Erlaubt sind Scheingeschäfte zur Täuschung – eigene Straftaten, die über das notwendige Maß hinausgehen, sind jedoch verboten. Lockspitzel dürfen zudem nicht zu Straftaten anstiften, die ohne ihr Zutun nicht begangen worden wären. Alles wird streng kontrolliert, um Missbrauch zu vermeiden. Dass ein verdeckter Ermittler nun selbst in den Verdacht gerät, die Grenzen weit überschritten zu haben, ist ein pikanter Ausnahmefall.

Zelle mit mordverdächtigem Cobra-Kollegen

Noch skurriler wird die Geschichte durch einen Zufall hinter Gittern: Der beschuldigte Undercover-Agent sitzt derzeit in der Justizanstalt Graz-Jakomini – und teilt die Zelle ausgerechnet mit jenem Polizeikollegen von der Eliteeinheit Cobra, der seine Tinder-Bekanntschaft getötet haben soll.