In einem Schreiben an die Mitglieder des Stiftungsrates begründet Meryn seinen Schritt mit persönlichen Erfahrungen und strukturellen Problemen innerhalb des höchsten ORF-Gremiums. Sein Rücktritt sei kein Zeichen von Resignation, sondern ein bewusster Beitrag zur Diskussion über die Zukunft des ORF und dessen Unabhängigkeit. Meryn war als Vertreter des ORF-Publikumsrates in den Stiftungsrat entsandt worden. Dem Publikumsrat gehört er weiterhin an.

Streit mit Westenthaler als Auslöser

Hintergrund des Rücktritts sind unter anderem langjährige Auseinandersetzungen mit dem FPÖ-nahen Stiftungsrat Peter Westenthaler. Der Konflikt begann, nachdem Meryn eine ORF-Mitarbeiterin verteidigt hatte, die wegen der Einladungspolitik bei „Licht ins Dunkel“ kritisiert worden war.

In der Folge kam es zu öffentlichen Auseinandersetzungen, Klagsdrohungen sowie Diskussionen über eine mögliche Unvereinbarkeit von Meryns Tätigkeit als Stiftungsrat und seinen regelmäßigen ORF-Auftritten als Gesundheitsexperte.

Meryn spricht in seinem Schreiben von einer „Serie von Angriffen“ gegen seine Person. Fragen zu Entscheidungsabläufen, Verantwortlichkeiten und dem Umgang mit personenbezogenen Informationen seien seiner Ansicht nach unbeantwortet geblieben.

Kritik an den Kontrollstrukturen

Besonders kritisch sieht der Mediziner die Möglichkeiten zur Kontrolle innerhalb des Gremiums. Wer Fragen stelle, dürfe nicht selbst zum Gegenstand von Auseinandersetzungen werden, argumentiert Meryn.

Er fordert deshalb eine Reform der Entscheidungs- und Kontrollmechanismen im ORF. Ziel müsse es sein, die Unabhängigkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zu stärken und politische Einflussmöglichkeiten weiter zurückzudrängen.

Appell für strukturelle Erneuerung

Der Rücktritt erfolge bewusst zu einem Zeitpunkt, an dem der ORF vor wichtigen Veränderungen steht. Nach der Wahl von Clemens Pig zum neuen Generaldirektor sieht Meryn nun die Chance für einen Neustart.

Sein Abschied solle eine Debatte darüber anstoßen, wie der ORF künftig organisiert werden soll und wie das Vertrauen in die Institution langfristig gestärkt werden kann. Damit endet eine weitere turbulente Episode rund um den ORF-Stiftungsrat – die Diskussion über Reformen dürfte jedoch erst beginnen.