Aus einem veröffentlichten Gesprächsprotokoll gehen Aussagen hervor, die Walter Ruck wegen möglicher Postenabsprachen, Freunderlwirtschaft und sexistischer Bemerkungen massiv unter Druck setzen. Besonders brisant sind Passagen, in denen Ruck seinen politischen Einfluss auf Bürgermeister Michael Ludwig beschreibt und über Personalentscheidungen sowie gemeinsame politische Projekte spricht.
Zudem lassen die Protokolle erkennen, dass das Verhältnis Rucks zur eigenen Partei angespannt sein soll. Mehrere führende ÖVP-Vertreter distanzierten sich daraufhin öffentlich von den Aussagen, teilweise wurden sogar Rücktrittsforderungen laut, berichtet oe24.
Ludwig setzt auf Loyalität
Ungeachtet der Kritik stärkte Michael Ludwig dem Wirtschaftskammerpräsidenten demonstrativ den Rücken. Er betonte, Ruck als “umsichtigen und vertrauensvollen Gesprächspartner” zu kennen, hob die langjährige Zusammenarbeit hervor und rechnet nach eigenen Angaben nicht mit dessen Rücktritt.
Politische Beobachter sehen darin vor allem die Fortsetzung einer traditionellen Partnerschaft zwischen Wiener Rathaus und Wirtschaftskammer. Bürgermeister und Kammerpräsident hätten über viele Jahre eng zusammengearbeitet und zahlreiche Wirtschaftsprojekte gemeinsam umgesetzt.
Innerhalb der SPÖ stößt Ludwigs Haltung jedoch nicht überall auf Zustimmung. Vor allem Rucks umstrittene Aussagen über Frauen sorgen für Unverständnis.
Frauenministerin und SPÖ-Frauenvorsitzende Eva-Maria Holzleitner kritisierte das von Ruck gezeichnete Bild sogenannter “exklusiver Herrenrunden” deutlich. Solche Strukturen hätten in einer modernen Demokratie keinen Platz, Gleichstellung müsse selbstverständlich sein.
Babler bleibt auffallend still
Während Ludwig öffentlich Position bezieht, vermeidet SPÖ-Chef Andreas Babler bislang jede Stellungnahme. Beobachter vermuten, dass die Bundespartei verhindern möchte, noch stärker mit der Affäre in Verbindung gebracht zu werden.
Gleichzeitig gilt das Schweigen als politisch heikel. Die Wiener SPÖ zählt zu Bablers wichtigsten Machtstützen innerhalb der Partei. Ein offener Konflikt mit Ludwig könnte daher erhebliche parteiinterne Spannungen auslösen.
Deutlich kritischer äußert sich der Sozialdemokratische Wirtschaftsverband Wien (SWV). Präsident Marko Fischer forderte Walter Ruck indirekt zum Rückzug auf und erklärte, dieser müsse selbst wissen, welche Konsequenzen nun zu ziehen seien.
Damit zeigt sich: Während Michael Ludwig seinem langjährigen Partner weiterhin das Vertrauen ausspricht, wächst sowohl innerhalb der SPÖ als auch parteiübergreifend der politische Druck auf den Wiener Wirtschaftskammerpräsidenten. Die Affäre könnte damit weit über die Wirtschaftskammer hinaus Auswirkungen auf die österreichische Innenpolitik haben.

Kommentare
Lädt Kommentare...